MISSBRAUCH – UND KEIN ENDE?

hoffnung

Papst Franziskus hatte vor drei Jahren beim weltweiten Bischofstreffen zum Thema Missbrauch gesagt,  es sei „ganz wesentlich“, dass die Bischöfe nach ihrer Rückkehr „die anzuwendenden Gesetze kennen sowie die notwendigen Schritte unternehmen, um Missbrauch zu verhindern, sich um die Opfer zu kümmern und sicherzustellen, dass kein Fall vertuscht oder begraben wird“. „Ein weltweites Problem kann nur weltweit angegangen werden“, begründet der Papst damals seine Entscheidung, die Vorsitzenden sämtlicher Bischofskonferenzen und Ostkirchen sowie Vertreter katholischer Orden in den Vatikan einzubestellen.

Die Theologin Dr. Katharina Westerhorstmann, Professorin an der Franciscan University of Steubenville, die sich intensiv mit dem Thema Missbrauch auseinandergesetzt hat, schrieb: „Für Personalbeauftragte und Bischöfe, die mit Betroffenen zu tun haben, ist ein unerbittlicher Blick auf die Tatsachen, ein hörendes und empathievolles Herz und eine „barmherzig-samaritanische“ Haltung dem Opfer gegenüber von zentraler Bedeutung. Sich vom Leid des Opfers berühren und – wie Jesus Christus selbst – auch „verwunden“ zu lassen, „nicht vorübergehen, die Selbstgefährdung gering achten und das Opfer an den Ort der Heilung ‹in der Herberge› bringen“, sowie eine radikale Entscheidung für Aufarbeitung, Transparenz und Prävention zu treffen, sind somit für die Kirche in der Zukunft unerlässlich.

„Echtes priesterliches Verhalten, das sich fundamental von einer klerikalistischen Einstellung unterscheidet, zeigt sich gerade darin, wenn Bischöfe und Verantwortliche in der Diözese nicht in falsch verstandener Loyalität Mitbrüder schützen, sondern „die Opfer um Verzeihung bitten sowie alle ihnen mögliche seelsorgliche, spirituelle und vor allem auch finanzielle Hilfen anbieten.“ Den Täter zur Rechenschaft zu ziehen, ist ein weiterer Teil eines verantwortlichen Hirtendienstes. So ließe sich auch die Maßgabe Jesu im Hinblick auf Machtmissbrauch eher umsetzen: „Bei euch aber soll es nicht so sein“. (Mk 10, 43)“

Was heißt das für uns? Ziehen wir uns zurück in eine „heile Welt“ der CE, grenzen wir uns ab von der „bösen Welt“? Geben den Journalisten die Schuld, zu negativ über unsere Kirche zu schreiben? Verweisen wir darauf, dass es doch in anderen Institutionen ebenfalls Missbrauch gibt? Oder ist es besser, dass wir nicht blind sind für diese massiven Probleme, die in den letzten Jahren in der Kirche zu Tage getreten sind?

Nur durch Eingestehen von Schuld gibt es Veränderung, Heilung und Versöhnung. Und nur so können wir als Christen und als Katholische Kirche  neue Glaubwürdigkeit erlangen. Es ist wichtig, dass in der Kirche intensive darüber nachgedacht und offen darüber gesprochen wird, welche Ursachen es geben kann, die solche schrecklichen Dinge wie Kindesmissbrauch begünstigen, und was man verändern kann. So bin ich dankbar, dass wir in den letzten Jahren in unserer Arbeit der CE ein sehr gutes Präventionskonzept zum Schutz der Kinder und Jugendlichen, die uns anvertraut sind, entwickelt und umgesetzt haben.

Es ist ebenso wichtig, dass wir Hoffnung für unsere Kirche haben, weil Jesus der Herr der Kirche ist und bleibt und weil es zuerst um ihn und nicht um die Kirche geht. Durch unser Gebet wirken wir mit, dass die Kirche sich vom Herrn reinigen und erneuern lässt.

Kirche ist wie eine Familie. Die sollte ich auch dann nicht aufgeben, wenn es schwierig ist.

Karl Fischer