Verantwortung wahrnehmen und Freiheit gestalten

Einige wegweisende Gedanken zu Herausforderungen für Christen in Kirchen, Freikirchen Gemeinden, Werken und Verbänden in der gegenwärtigen Corona-Krise hat die Deutsche Evangelische Allianz unter dem Titel „Verantwortung wahrnehmen und Freiheit gestalten – mit Rücksicht auf den Nächsten“ formuliert:

1. Wir glauben an den lebendigen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu jeder Zeit die Welt in seiner Hand hat. Weil er die Situation der Corona-Krise überblickt und ein „Backofen voller Liebe“ (Martin Luther) ist, wollen wir nicht Angst und Sorge, sondern Hoffnung verbreiten und das Evangelium verkündigen. Wir fordern Christen auf, durch ihr gelebtes Gottvertrauen andere zu ermutigen, dieses Vertrauen zu wagen.

2. Der gemeinsame Auftrag unserer Frei-/Kirchen, Gemeinden, Werke und Verbände ist es, Raum für geistliches Leben zu eröffnen, versöhnende Zeichen zu setzen und auch in der Krise mutig neue Wege zu gehen und Orte anzubieten, wo Menschen Gemeinschaft und Orientierung finden können.

3. Wir sind dankbar, dass das Grundgesetz das Grundrecht der „ungestörten Religionsausübung“ gewährleistet. Dieses Grundrecht gewinnt gerade in Krisenzeiten an Bedeutung. Menschen suchen in Zeiten großer Verunsicherung und Existenzängste Trost und Halt, zum Beispiel in Gottesdiensten. Wir wollen achtsam mit diesem Grundrecht umgehen, auf geltende Ordnungen achten und auf keinen Fall durch Leichtfertigkeit zu einer verstärkten Corona-Verbreitung beitragen.

4. Wir glauben, dass es elementar wichtig ist, die geistliche Dimension der gegenwärtigen Lage zu thematisieren. Darum ermutigen wir unsere Mitchristen zum Verzicht auf Aktionismus und zu mehr Gelassenheit, Tiefgang, Besinnung und Ausrichtung auf Jesus Christus. Christen haben Hoffnung, die über das natürliche Leben hinausgeht.

5. Wir sind davon überzeugt, dass gesundes geistliches Leben in Gemeinden, die für einige Zeit ihre Aktivitäten zurückfahren müssen, sich nicht durch eine Pandemie ersticken lässt. Wir unterstützen Kreativität und die Entwicklung von digitalen Kommunikationswegen, die virtuelle geistliche Angebote ermöglichen, und ermutigen, neue Formen des Gemeindelebens zu entdecken.

6. Eine Situation, wie sie durch das COVID-19-Virus weltweit entstanden ist, bringt es mit sich, dass sich am Ende nicht alle Corona-Maßnahmen als richtig und notwendig herausstellen. Insbesondere die Maßnahmen, die Grundrechte betreffen, brauchen Diskussion in der Gesellschaft und Entscheidungen der Parlamente. Wir sind dankbar für politische Verantwortungsträger, die ernsthaft bemüht sind, die Bürgerinnen und Bürger durch Reduzierung der zwischenmenschlichen Kontakte zu schützen. Dieses Bemühen unterstützen wir durch die entsprechende Gestaltung des Gemeindelebens.

7. Angesichts der Komplexität der Herausforderungen hüten wir uns vor leichtfertiger Kritik. Wir wollen durch Respekt gegenüber den Verantwortlichen und durch vermehrtes Gebet „auffallen“. Wir weisen Verschwörungstheorien und unsolidarische Verhaltensweisen ausdrücklich zurück. Vielmehr fordern wir Christen heraus, durch ihr Reden und Verhalten versöhnend in unsere Gesellschaft hinein zu wirken.

8. Wir rufen unsere Mitchristen zum Gebet für und zu besonderer Verbundenheit mit den Betroffenen der Pandemie auf. Wir wollen die Zeit nutzen zu mehr Barmherzigkeit Menschen gegenüber, die wegen dieser extremen Lage wirtschaftlich, sozial und psychisch leiden. Wir fordern Christen auf, diesen Menschen durch praktische Hilfe und konkrete Zuwendung die Erfahrung von Gottes Liebe zu ermöglichen.
5. November 2020

Initiativgruppe (verantwortlich für die Verfassung des Textes):
Dr. Heinrich Derksen, Schulleiter am Bibelseminar Bonn, Leiter des Forum evangelischer Freikirchen
Matthias Frey, Stellvertretender Vorsitzender des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes
Frank Spatz, Generalsekretär Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband
Christoph Stiba, Generalsekretär der Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden
und Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen
Volker Ulm, Präses im Bund evangelischer Gemeinschaften
Frank Uphoff, Vizepräses Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP)
Ekkehart Vetter, Erster Vorsitzender der Evangelischen Allianz in Deutschland
Siegfried Winkler, Zweiter Vorsitzender der Evangelischen Allianz in Deutschland

Mit-Unterstützer:
Peter Bregy, Generalsekretär des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden
Oberst Hervé Cachelin, Leiter der Heilsarmee in Deutschland, Litauen und Polen
Oberstin Deborah Cachelin, Territoriale Präsidentin der Heilsarmee für Frauenarbeit
Theodor Clemens, Bischof der Brüder-Unität (Herrnhuter Brüdergemeine)
Daniel Dallmann, Schatzmeister des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden
Dr. Jörg Dechert, Vorstandsvorsitzender ERF Medien
Jochen Geiselhart, Vorsitzender Foursquare Deutschland
Klaus Göttler, Generalsekretär des Deutschen EC-Verbandes
Ralph Habener, BFP-Regionalleiter Hessen
Uwe Heimowski, Beauftragter der Evangelischen Allianz in Deutschland beim Deutschen Bundestag und der
Bundesregierung
Alexander Hirsch, Gesamtleiter Anskar-Kirche Deutschland, Evangelische Freikirche
Ansgar Hörsting, Präses Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland
Ingo Hunaeus, Bezirkssuperintendent Kirche des Nazareners Deutschland
Lars Jaensch, BFP-Regionalleiter Schleswig-Holstein
Johannes Justus, Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden
Rainer Klinner, Ältestenratsvorsitzender des Freikirchlichen Bundes der Gemeinde Gottes e.V.
Daniela Knauz, Referat Frauen und ältere Generationen im Bund Freier evangelischer Gemeinden in
Deutschland
Samuel Krauter, Präses des Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden

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