Pilgerreise in den Libanon

In diesem Land, zwischen Jerusalem und Antiochien gelegen, wurde das Evangelium bereits von den ersten Dienern des Wortes verkündet. Hier begegnen sich Kulturen und Religionen; alle drei Religionen, die in Abraham den Vater des Glaubens sehen, sind hier zu Hause, wo inter-religiöser Dialog eine respektvolle und ehrliche Begegnung bedeutet. Und doch hat das Land so viel gelitten unter Rivalitäten und Kriegen.

Papst Johannes Paul II hatte den Libanon Symbol und Botschaft genannt: „Der Libanon ist mehr als nur eine Heimat: Er ist eine Botschaft der Freiheit und ein Muster des Pluralismus sowohl für den Osten wie auch für den Westen.“

Unsere kleine Pilgergruppe wohnte in dem schön gelegen Haus der Gemeinschaft der Seligpreisungen nahe Biblos. Sr. Mirjam führte uns zu den Orten, die von den Christen als heilig verehrt werden: zu den Stätten der Heiligen des Libanon, des heiligen Charbel (1828-1898), des seligen Bruder Estepen (1889-1938) und der heiligen Rafqa (1832-1859).

Sr. Mirjam zeigte uns das Land, das uns durch seine natürliche Schönheit beeindruckt hat. Die Kraft und die Schönheit des Libanon findet man in seinen mächtigen Zedern verkörpert. An den Wegen und Straßen fanden wir Kreuze und Bilder der Heiligen. Wir begegneten liebenswerten und freundlichen Menschen, die voll tiefen Glaubens an den heiligen Stätten beteten.

Wir hatten Begegnungen mit hohen Vertretern der verschieden Kirchen: mit dem Erzbischof der griechisch-katholischen Kirche Issam John Darwish, mit dem Patriarchen der syrisch-katholischen Kirche Ignatius Josef III. Younan, mit dem Bischof Basilios Georges Casmoussa aus dem Irak und mit dem Leiter des maronitischen Priesterseminars P. Abdo Bou Daher. Wir wurden willkommen geheißen als ein Zeichen der Hoffnung, dass die Christen im Westen die Christen im Libanon nicht vergessen haben.

Von unseren Gesprächspartnern erfuhren wir viel über das Leben der Christen im Libanon, das heute überschattet ist vom Krieg in Syrien. Wir hörten von ihren Hoffnungen und ihrer Enttäuschung über die Christen im Westen.
Viele Christen im Nahen Osten können nicht verstehen, dass wir den westlichen Medien glauben, die uns erzählen, der Kampf in Syrien ginge um Demokratie. Mehr als die Hälfte des syrischen Volkes stehe auf Seiten des Präsidenten, sagten sie uns. Nach ihrer Ansicht geht es darum, in Syrien einen islamischen Staat zu errichten. Als Alawit erkennt Präsident Assad alle Religionen an und gewährt ihnen freie Religionsausübung. Das ist extremen und gewaltbereiten Moslems ein Dorn im Auge. Wenn sie gewinnen, sagten unsere Gesprächspartner, werde es für die Christen kaum mehr Lebensmöglichkeiten in Syrien geben. Dann, so fürchtet man, werde sich der Krieg im Libanon fortsetzen.

Wir begriffen, dass wir eine Sendung hatten: Wir müssen berichten von den Christen im Libanon, die in Angst vor Krieg und Vertreibung leben. Beten wir für sie und für den ganzen Nahen Osten.

Diese Pilgerreise, die von vielen hier in Deutschland als zu gefährlich und unsicher angesehen wurde, wurde für uns ein großes Geschenk.

 

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