Lobpreis-Leitung „Kunst und Charisma“

1. Einführung:

  • Lobpreis beinhaltet eine spirituelle Grundhaltung. Sie prägt meinen Alltag, mein Gebet
  • Lobpreisleitung ist ein Amt, ein Auftrag, ein Dienst!! Als (Lobpreis)-Leiter haben wird die Gratwanderung zu meistern zwischen persönlicher Befindlichkeit und Auftrag bzw. Amt oder Dienst!!
  • Es geht um die Gestaltung einer Lobpreiszeit im Gebetskreis oder eines Lobpreisabends. Manche Lobpreisleiter lassen sich inspirieren von großen Lobpreis-Events und versuchen das eins zu eins auf ihre Gruppe zu übertragen. Das funktioniert aber nicht. Hier sind noch andere Faktoren zu beachten als bei Großveranstaltungen.
    • Möglicherweise haben wir nur wenige Instrumente oder gar nur eins und keine Band?
    • Es ergeben sich ganz andere Anforderungen und die Art und Weise der Leitung.

2. Allgemeine Hinweise

2.1 Lied-Charakter und Lied-Inhalte

Es lassen sich z. B. unterscheiden:

  • Einladende Lieder („Kommt und preist…“, „Näher“, „Komm und lobe den Herrn…“)
  • Heilig-Geist-Lieder
  • Lob- und Dank-Lieder
  • Anbetungslieder
  • Proklamierende Lieder (Gott ist groß, und sein Lob…)

Dann aber auch:

  • Lieder „über Gott“ in der dritten Person „Er“, tendenziell eher zu Beginn
  • Lieder „zu“ Gott in der ersten Person als „Du“, tendenziell eher später
  • „Wir und Gott“ (Wir sind hier zusammen, …) oder auch
  • „Ich und Gott“ (Ich vertrau auf deinen Namen ..)

 Hilfreich ist eine Liedersammlung nach Rubriken:

  • Ankommen, Lobpreis, Anbetung, Hl. Geist, …
  • alphabetisch und oder Tonarten
  • Liedzettel mit Texten und Akkorden (vermeidet Noten-Umblättern)

2.2 Tonarten

  • Die gängigen Tonarten sind C, D, E, G, A, teilweise auch F
  • Die Lieder sollten nicht zu hoch und nicht zu tief angestimmt werden. (Singbarkeit)
  • Vermeide häufige Tonarten-Wechsel. Bilde Tonarten-Gruppen und achte auf harmonische Übergänge zwischen den Tonarten.
  • Sei sparsam mit Liedern in der Tonart ‚Moll‘: Lobpreis ist Ausdruck der Freude an Gott!!
  • Als Lobpreisleiter haben wird die Gratwanderung zu meistern zwischen persönlicher Befindlichkeit und dem Auftrag der Leitung!!
  • Es gibt u. U. eine ungesunde Tendenz zu sehr selbstzentrierten Liedern, die der Anbetung Gottes nicht gerecht werden.
  • Klagepsalmen, sollten den Lobpreis nicht dominieren
  • Wenn Lobpreis „moll-lastig“ ist, kann es sich auf die Stimmung bedrückt auswirken.

2.3 Klangteppich

Gemeint ist ein ein wohldosiertes leises bzw. verhaltendes Weiterspielen zwischen Liedern; vermeide wenn möglich „Zwangs-Stille“ durch Noten-Umblättern. Eine ungewollte Pause wirkt wie ein „Amen“ und die Leute sind „draußen“; manchmal verunsichert, oft setzen sie sich.
Der Lobpreis-Leiter muss spüren, wann eine Stille folgen soll, – wenn wir vor Gottes Größe buchstäblich verstummen.  

3. Konzeption einer Lobpreis-Einheit

Allgemein gilt es, in der Konzeption und Durchführung auf einen harmonischen Spannungsbogen zu achten. Die konkrete Vorbereitung ist bei mir immer eine Mischung von Ausprobieren und Gebet. Ich stelle mir die Gruppe, den Abend, die Situation  vor, habe meine Liste mit potentiellen Liedern und überlege, was könnte passen: Für diese Gruppe, für diesen Abend, und stelle mir auch die Frage:   

Was passt zusammen unter oben genannten Kriterien?

3.1 Kombination von Liedern

  • Lieder sollten  nach Tonarten  oder Tonartgruppen kombiniert werden; vermeide häufige Tonartwechsel
  • Lieder lassen sich kombinieren nach Inhalt, Themen, Stichworten (Größe Gottes, Jesus, der König; „Du bist“-Aussagen usw.)  
  • Die Lieder sollten nach Inhalt und Charakter zueinander passen.
    • Das heißt: nicht Lieder mit Bitt-Charakter, z. B. „O Herr, gieße Ströme“,  mitten im LobpreisTeil spielen

3.2 Neue Lieder

  • Nicht mehr als ein neues Lied in einer Lobpreis-Einheit bzw. an einem Abend.
  • Bei größeren Veranstaltungen überlege, welche Lieder du am ehesten voraussetzen kannst. Sonst führt der Lobpreis die Leute nicht in die Gegenwart Gottes, sondern sie konzentrieren sich auf das Liedgut.

3.3  Der klassische Aufbau einer Lobpreis-Einheit (kein muss)

  • Ein einladendes oder proklamierendes Lied
  • Zwei bis drei Lobpreis-Lieder (über Gott „Er“, zu Gott „Du“)
  • Anbetungslieder (möglichst zu Gott „Du“)
  • Dazwischen instrumental-Teile, Raum für persönliches freies Gebet,
  • Chorusse, Singen in Sprachen
  • Stille, Hören, Bilder, Eindrücke, Worte, wie es der Geist gibt

3.4 Beispiel einer Lobpreis-Einheit

  1. Groß ist unser Gott (D → E)
  2. Kommt, lasst uns singen vor Freude dem Herrn (E)
  3. König des Himmels und der Erde (E)
  4. Komm und lobe den Herrn, meine Seele sing (E)
  5. Bless the Lord, o my soul (E)
  6. Wer bei Dir sich birgt, steht fest (E)
  7. Dir gehört mein Lob (Blessed be your name)  (G → A)
  8. Heilig, heilig, stark und mächtig (Er ist der Fixpunkt)  (A)

4. Durchführung

4.1 Allgemeines:

  • Standort des Leiters: exponiert!! Keine falsche Demut!
  • Der Leiter muss die Gruppe im Blick behalten!
  • Stimme und Gitarre sollten, vor allem wenn sie nicht verstärkt werden, den Leuten zugewandt sein
  • Bleib/werde ruhig! Fokus auf Gott!

  Für mich gehört dazu, dass ich rechtzeitig meinen Platz einnehme und dort bin, mindestens 3 Minuten bevor es los geht.

4.2 Blickkontakt:

  • Mit der Gruppe/Versammlung, mit dem Leiter und wenn möglich mit den Mitspielern!
  • Der Leiter muss sehen, wo die Leute stehen; er darf sie nicht „verlieren“.
  • Der Leiter führt die Versammlung in den Lobpreis, er gestaltet nicht für sich selbst eine Lobpreis-Zeit!

4.3 Wiederholungen:

  • Mehrmalige Wiederholungen, i. d. R. des Refrains, können in großen Versammlungen, getragen von einem größeren Aufgebot an Musikern die Anbetung fördern, aber auch eine gewisse Eigendynamik entwickeln.
  • In der kleinen Gruppe können mehr als drei Wiederholungen des Refrains leicht zum „Überdruss“ führen. Hier ist sehr viel Fingerspitzengefühl nötig.
  • Hilfreich ist, zwischendurch die Lautstärke rauszunehmen, acapella zu singen und mit dem Instrument dann wieder einzusteigen.

4.4 Sprachengesang

  • Gebt dem Sprachengesang Raum.
  • Seid offen, auch im Lobpreis-Teil in Sprachen zu singen und dann mit Lobpreis-Liedern fortzufahren.
  • Sprachengesang nur dezent mit Instrumenten unterstützen oder auch acapella singen, nicht mit den Instrumenten dominieren.
  • Zum Sprachengesang besser auf einem Akkord bleiben, diesen höchstens variieren. Sprachensingen auf einer Harmoniefolge ist für viele schwierig.
  • „Die Natur spielt Dur!“ Sprachengesang auf einem Dur-Akkord anstimmen, – eher nicht in ‚Moll‘. (ist schwieriger zu singen)

4.5  Mitspieler  

  • Nicht mehr als 2 tragende Gitarren, diese sollten „kompatibel“ sein im Schlagmuster!
  • Kompetenz muss auch für Percussion-Instrumente vorausgesetzt werden.
  • Blick-Kontakt auch zu Mitspielern
  • Instruktionen (verbal, nonverbal)

 

Autor: Diakon Heinz-Peter Emmerich (+2016)

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