„Rachels Weinberg“ – Heilung vom Trauma einer Abtreibung

 

In der Fachwelt ist der Begriff „Post Traumatisches Stress Syndrom“ die Bezeichnung für Folgeleiden aufgrund traumatischer Erlebnisse. Dieser Begriff ist uns vielleicht aus den Medien bekannt; man denke nur an die Berichte der letzten Monate über psychische Spätfolgen bei in Afghanistan eingesetzten Soldaten. Die Annahme eines Zusammenhangs zwischen diesem Leiden und einer früheren Abtreibung, für den auch die Bezeichnung „Post Abortion Syndrome (PAS)“ verwendet wird, war und ist in der Psychotherapie seltsamerweise umstritten. Noch immer gibt es genügend weltlich geprägte Psychologen und Psychotherapeuten, die eine Abtreibung als „unbedeutend“ für das weitere Leben einer Frau, eines Mannes oder eines Ehepaares abtun wollen. Dagegen steht unübersehbar die unsagbare Not derer, die ihr Leben durch eine Abtreibung aus der Bahn geworfen sehen: langanhaltende Depression, Reue, unaufhörliche Trauer, ständiges Wiedererinnern der Abtreibung, Unfähigkeit vertrauensvoll zu lieben, bis hin zu Drogenmissbrauch und Suizidgefährdung ist die Spannbreite der Leiden, die den Lebensweg vieler Frauen, die sich gegen ihr Kind entschieden hatten, unerträglich werden lassen können. Entsprechend mühsam gestaltete sich für Dr. Theresa Burke die Suche nach wirksamen Hilfsangeboten für betroffene Frauen und Männer. Schließlich führte ihre Suche dazu, selbst ein Konzept für eine spezielle Heilmethode zu entwickeln, das gezielt auf der Begegnung dieser Not ausgelegt ist. Das Zusammenspiel von psychologischen Techniken und spirituellen Elementen, gepaart mit Bibliodrama, sorgen für eine tiefgehende Heilserfahrung. Herausgelöst aus ihrem täglichen Leben erfahren die Teilnehmer eine völlig neue Art, wie ihrem psychischen und emotionalen Schmerz begegnet wird. Der Wochenendablauf ist von Übungen, Dynamiken und symbolischen Handlungen mit biblischem Hintergrund geprägt. Ebenso von Einzelseelsorge, Beichte, Gottesdienst und eucharistischer Anbetung während der Nacht. Ein dichtes Programm, ein mühsamer Weg, der Mut erfordert. Ein Weg an der Hand Jesu. Das Eintauchen in Trauer, Schmerz und Wut führen zum Aufarbeiten des Traumas, hin zu Annahme und Vergebung, und damit zu neugewonnener Freude. Ein Pilgerweg der Heilung hin zu bleibender Frucht (Joh. 15,16). 

Das Wochenende findet typischerweise in einem christlichen Seminarhaus statt, vorzugsweise in ländlicher Umgebung und mit gemütlicher Innenausstattung („Wohnzimmer-Atmosphäre“). Die Gruppe besteht aus    5 – 10 Teilnehmern und 3 – 5 Mitarbeitern.  Ein Priester begleitet die gesamte Einkehr, die Mitarbeiter sind z.T. in Seelsorge geschult. Stets sollte einer der Mitarbeiter einen professionellen Hintergrund in Psychotherapie mitbringen.   

Dieses Konzept, seit den 90er Jahren vielfach erprobt und weiterentwickelt, hat sich mittlerweile nicht nur in den USA, sondern auch in vielen Ländern auf allen Kontinenten verbreitet. Ein Zeichen dafür, wieviel Leid und Trauer durch Abtreibung entsteht; aber auch, dass konkrete, heilende Hilfe für trauernde Mütter, Väter, Großeltern und selbst für Personal von Abtreibungskliniken effektiv erlebbar ist.

Der Name dieses Dienstes ist „Rachel’s Vineyard Ministries“ (deutsch: „Rachels Weinberg“). „Rachel“ bezieht sich auf eine Figur im Alten Testament, erwähnt u.a. im Buch Jeremia (Jer. 31,15; Trauer und Trost). Das Bild des Weinberges findet sich häufig in der Bibel und hat auf vielfache Weise symbolische Bedeutung für diesen Dienst. Siehe z.B. Hos. 2,16-22 und Joh. 15.

Rachel’s Vineyard Ministries (ein eingetragenes Markenzeichen) ist kirchlich anerkannt und wird von Dr. Theresa Burke und den „Priests for Life“ mit Vorsitz von Fr. Frank Pavone geleitet.

Die regional arbeitenden  Gruppen sind in überwiegender Zahl auf  Bistumsebene angesiedelt und finanzieren sich ausschließlich aus Spenden. Sie arbeiten organisatorisch eigenständig, stehen aber inhaltlich unter Aufsicht von Rachel’s Vineyard Ministries USA. Das garantiert die Qualität und Originalität der Methode. So partizipieren die Gruppen an Weiterentwicklungen und bringen ihr Erfahrungen wirksam ein, um sie somit für andere nutzbar zu machen. Die Einbindung jeder regionalen Gruppe in den anerkannten und bewährten Rahmen dieser Methode der Heilung ist eng, und von kontinuierlicher Weiterbildung geprägt.

Mutter Teresa von Kalkutta, die mit Dr. Theresa Burke befreundet war, schrieb ihr folgenden Kommentar zu Rachels Weinberg: 

„Jesus selbst sagte, dass er kam, um Sünder zu rufen, und nicht die Selbstgerechten. Ich bete, dass alle, die an Rachels Weinberg in dem Bestreben, von Jesus befreit und geheilt zu werden, teilnehmen, ihn finden mögen, die Quelle wahrhaftiger Freude, des Friedens und der Liebe; und es Gott erlauben, ihre Ganzheit und Fröhlichkeit wiederherzustellen. Ich bete viel für Euch.
Gott segne Dich.“

Deutschen Boden erreichte dieser Dienst im letzten Jahr durch Anne Arthur. Anne, in Söhlde bei Hildesheim aufgewachsen, lebt seit 35 Jahren in Haiti und Jamaika und hat dort, aus erster Hand von Dr. Theresa Burke angeleitet, Pionierarbeit beim Aufbau von Rachel’s Vineyard geleistet. Im Frühling 2009 reiste Anne in ihren Heimatort, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Kurz vor ihrer Abreise schlug ihr Theresa vor, Annes Tatendrang richtig einschätzend, bei dieser Gelegenheit Rachel’s Vineyard in Deutschland zu etablieren.

Anne, die in Jamaika Mitglied einer charismatischen Gemeinschaft ist, besuchte seit ihrer Ankunft den Hauskreis „Jakobsbrunnen“ in Hildesheim und fand dort für ihr Anliegen offene Ohren.  Ermutigt durch die vielen positiven Erfahrungen in Jamaika und den USA fasste man sich ein Herz und begann mit den nötigen Vorarbeiten. Neben der Übersetzung des Handbuchs standen erste Gespräche mit potentiell interessierten Personen (Seelsorgern, Ärzten, Psychotherapeuten) an. Sie haben ein hohes Interesse an dieser Thematik zu Tage treten lassen. Offensichtlich wird hier die echte Not abtreibungsgeschädigter Frauen und Männer (auch Männer trauern um ihre verlorenen Kinder!) wahrgenommen; andererseits liegt aber auch eine weitgehende Ratlosigkeit vor, wie ihr begegnet werden kann. 

In der Zwischenzeit hat Monika Rodman Montanaro, eine Amerikanerin, die 13 Jahre lang in Kalifornien bei Rachel’s Vineyard-Wochenenden mitgearbeitet hat und zur Zeit in Italien lebt,  über Theresa von unserer Absicht erfahren und spontan ihre Mithilfe beim ersten Wochenende angeboten. Erkannt als weiteres Zeichen Gottes, dass Er diesen Dienst will, wurde diese Hilfe gern angenommen.

Vom 09.-11. Juli diesen Jahres fand bei heißen Temperaturen der Sprung ins kalte Wasser statt. Für das erste „Rachels Weinberg“ Wochenende wurde als Veranstaltungsort das „Ruferhaus“ in Stauffenburg bei Seesen gewählt. Es bietet gute Voraussetzungen, sowohl von der Lage als auch von der Innenausstattung her.

Da es sich um die erste Veranstaltung dieser Art handelte, lag ein besonderer Akzent auf der Ausbildung zukünftiger Mitarbeiter. Die 12 Teilnehmer kamen größtenteils aus dem Hauskreis und dem Bekanntenkreis, darunter auch eine Frau aus Polen. Ein Missionars-Ehepaar aus Indien, welches in Kürze ebenfalls Rachels Weinberg in Süd-Indien anbieten möchte, und sich sich zur Zeit „zufällig“ in Deutschland aufhielt, nahm ebenfalls teil. Die Anwesenheit zweier Priester war die ideale Abrundung des Teilnehmerkreises. 

Trotz dieser Mitarbeiter-Akzentuierung war es ein vollwertiges Rachels Weinberg Wochenende! Bis auf die kompetente Leitung durch Anne und Monika durchliefen alle anderen das Wochenende ausschließlich als Teilnehmer. Das ist übrigens generell eine Voraussetzung für an Mitarbeit Interessierte. Nur wer den Ablauf auch als Betroffener durchlebt hat, kann später als Mitarbeiter Betroffenen dienen. Da nicht alle an Mitarbeit interessierten direkt oder indirekt an den Folgen einer Abtreibung leiden, kann alternativ auch der Verlust durch eine Früh- oder Fehlgeburt (auch aus Geschwister- oder Großelternperspektive) oder ein ähnliches Verlusttrauma aus der persönlichen Vergangenheit als Motiv dienen.  

Beginn am Freitagmittag, 14.00 Uhr, Ende am Sonntagnachmittag um 17.00 Uhr. Dazwischen eine intensive Zeit, die alle Beteiligten überraschte. Eine mühsame, aber froh machende Wandlung von teils verdrängtem Leid zur dankbaren Annahme von Vergebung und Heilung in Jesus. Eine Tür wurde geöffnet, die niemand mehr schließen kann. Erfahrungen, die in einem demnächst stattfindenden Nachsorgetreffen weiterhin aufgegriffen und vertieft werden. 

Kommentare einiger Teilnehmer:

„ Am meisten hat mich die sanfte Art, die Liebe und Begleitung beeindruckt.“

„Die Zeit war sehr gesegnet. Ich fahre beschenkt nach Hause.“

„Schmerz darf hier zugelassen werden und hat Raum zum Verarbeitung; auch für „Noch-nicht-Gläubige“ sehr gut geeignet.“

“Diese Einkehrtage waren eine lebensverändernde und spirituelle Erweckung für mich. Sie gaben mir die Möglichkeit, mit den Verlusten der Vergangenheit und meiner Trauer in Berührung zu kommen. Ich meine, dass jede Frau, die eine Abtreibung hatte, in den sicheren Hafen von Rachels Weinberg kommen sollte, um Heilung und Vergebung zu finden. Es war sehr bedeutungsvoll für mich, Leute zu treffen, die meinen Schmerz und meinen Verlust verstehen. Alle waren so warmherzig, liebevoll und entgegenkommend.“ 

Vom 11. bis 13. März 2011 ist ein weiteres Rachels Weinberg Wochenende am selben Ort geplant. Betroffene Frauen, Männer oder (Ehe)Paare können sich unter email rachelsweinberg@email.de anmelden. Auch ein zweites Wochenende wird es 2011 geben und zwar vom 09. bis 11. September 2011. Wie im biblischen Gleichnis werden auch für Rachels Weinberg Arbeiter gesucht. Neben fachlicher (seelsorgerisch, psychotherapeutisch) und vielfältiger praktischer Mitarbeit werden nicht zuletzt auch Fürbitter gesucht, die diese Arbeit im Gebet mittragen. Bei Interesse bitte bei Christiane Kurpik (Diözesansprecherin für das Bistum Hildesheim) melden, oder per email:rachelsweinberg@email.de. Danke! 

Möge sich dieser Dienst weiter ausbreiten und einen spürbaren Beitrag zur Heilung unserer Gesellschaft leisten. Damit sich die Verheißung Gottes auch für unser Land erfüllt:
     

Darum will ich selbst sie verlocken,

Ich will sie in die Wüste hinausführen und sie umwerben.

Dann gebe ich ihr dort ihre Weinberge wieder

und das Achor-Tal mache ich für sie zum Tor der Hoffnung. 

(Hos. 2,16-17)

Rachels Weinberg – Domhof 8 – 33134 Hildesheim – Email: rachelsweinberg@email.de 

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