Begegnungswochenende mit Uwe Dahlke

Glaube entsteht nicht durch intellektuelle Zustimmung zur Glaubenslehre der Kirche, sondern durch den Willen und das Wirken Gottes, der uns ein neues Sein schenkt, welches es liebt, Gottes Willen zu tun. Darin besteht das Geheimnis der Neugeburt aus Wasser und dem Heiligen Geist.

„Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.“ (2.Korinther 5:17-18) Wenn wir die existenzielle Dimension und den Gnadencharakter unserer Neugeburt durch Christus verstehen, werden wir begreifen, dass wir dabei nichts aus eigener Kraft und Anstrengung tun können. Solange wir noch darin gefangen sind, uns und unseren Mitmenschen durch moralische Leistung zu beweisen, dass wir gute Menschen sind, wird die frohe Botschaft des Evangeliums zur einigermassen OK Botschaft, weil Viele befürchten, die Erlösung wieder zu verliehen, wenn sie sich schuldig gemacht haben. Es ist dem Menschen jedoch unmöglich, den Bund mit Gott aus eigener Kraft zu halten, das heisst sich von der Sünde, der Zielverfehlung, zu erlösen. Die Neugeburt des Menschen durch Christus ist Gottes Antwort, sein Heilsplan für den Menschen, um ihn nach dem ersten Sündenfall wieder in die Gemeinschaft mit ihm zu zurückzuführen. Diesen Heilsplan hat Gott bereits zu Beginn der Schöpfung mit der Erschaffung des Menschen vollendet, denn er wusste, wie der Mensch handeln würde.

Die neue Geburt aus dem Geist ist ein Geheimnis, das man weder rational erklären, noch selber herbeiführen kann. So wie es bei Ezechiel prophezeit ist „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.“ (Ez. 36, 26-27) greift Gott selbst in das Leben eines Menschen ein und befähigt ihn dazu, in seinem Gesetz zu leben und es auch einzuhalten! Wie kann das geschehen? In einem geistlichen Moment, den Gott herbeiführt, erkennt ein Mensch plötzlich, dass es Gott wirklich gibt und dass er heilig ist. Gleichzeitig erkennt sich dieser Mensch als Sünder, der Vergebung braucht und erfahren kann, weil Gott sie schenken will. Dadurch erlebt der Mensch eine Umkehr seiner bisherigen Lebensnormen und will jetzt Gottes Gebote achten. Der Weg zur Umkehr eines Menschen kann jedoch sehr unterschiedlich sein, von radikalem Erlebnis bis hin zu langen Entwicklungsprozessen, die dem Menschen viel Zeit lassen und am Ende gar nicht so klar auszumachen ist, wann und wie es geschehen ist.

Die Neugeburt des Menschen aus dem Heiligen Geist ist Gottes Antwort auf die völlige Unfähigkeit des Menschen sich selbst zu erlösen oder sich moralisch zu verbessern. Dadurch hat Gott das Übel der Sünde, das Misstrauen gegen Gott, an der Wurzel geheilt. Deshalb können wir als Christen aufhören, um unsere Würdigkeit zu bangen. Wir können auf dem Fundament unserer Erlösung aufbauen und uns danach ausrichten, in Liebe und Heiligkeit immer mehr zu Gott hinzuwachsen. Damit dürfen wir auch im Vertrauen auf Gottes Erbarmen immer wieder neu zu ihm zurückzukehren, wenn wir versagt haben.

Der entscheidende Unterschied zu rein verstandesmässiger Einhaltung von religiösen Normen besteht darin, dass ich jetzt weiss, dass Gott die Verantwortung für mich übernommen hat und ich ihm vertraue, dass er mich nie mehr fallen lässt. So wie ein Vater oder eine Mutter ihr Kind festhalten, wenn eine gefährliche Strasse überquert werden muss, und die Hand des Kindes nicht loslassen, wird auch Gott mich nicht loslassen, weil er die Verantwortung hat.

Anhand des Gleichnisses vom „verlorenen Sohn und dem barmherzigen Vater“ (Lk 15,11–32) hat uns Uwe Dahlke die beiden Grundschemen der beiden gegensätzlichen Sündertypen verdeutlicht. Der eine ist der Rebell, der sich wie der jüngere Sohn gegenüber dem Vater auflehnt und aktiv gegen dessen Willen verstösst und der andere ist der Gesetzerfüller, der wie der ältere Sohn zwar beim Vater bleibt, aber durch genaue Einhaltung der Gesetze wie ein Knecht nur in einer verhärteten Herzenshaltung ohne Liebe und echte Beziehung zum Vater lebt. Beide brauchen Erlösung und Umkehr zu Gott dem Vater.

Viele Menschen haben lieber eine Liste von Geboten, an die sich halten können, weil es messbar erscheint, ob man alles richtig macht, anstatt mit Gott in Beziehung zu leben. Auch das Handeln der Mitmenschen wird dann daran messbar. Jesus aber schärft uns ein: „Richtet nicht, damit auch ihr nicht gerichtet werdet.“ (Matt. 7.1) Beziehung zu leben erfordert, sich ständig zurückzunehmen und Gott zu fragen, was ich tun und lassen soll. Auch wenn Dinge in meinem Leben geschehen, die ich gar nicht gut finde, heisst es bereit zu sein, zuerst Gott nach seinem Willen und seinen Plänen für mein Leben zu fragen.

Mit dem Schlagwort „Skandal der Gnade“ hat uns Uwe Dahlke deutlich gemacht, wie sehr das ganze Ausmass der göttlichen Gnade einem unerlösten Herzen zuwider läuft. Wir empfinden die göttliche Gnade als Ungerechtigkeit, ja als Skandal, wenn der derjenige, der nur eine Stunde im Weinberg gearbeitet hat ebenso viel Lohn bekommt, wie derjenige der elf Stunden gearbeitet hat. Aus Sicht des älteren Sohnes ist es ein Skandal der Gnade, wie der Vater dem jüngeren Sohn alle Verfehlungen vergibt, ihn wieder als Sohn annimmt und ihn erneut als Miterben einsetzt. Wenn ich mich aber selbst einmal wirklich schuldig gemacht habe, so dass ich mit eigenen Mitteln nichts mehr gutmachen konnte und erlebt habe, dass mir vergeben wurde, trotz dieser Schuld, beginne ich das Ausmass der göttlichen Gnade zu ermessen, das Gott uns Menschen anbietet. Wenn der Heilige Geist mein Denken erneuert, werde ich auch beginnen, mich zu freuen, wenn andere Gnade geschenkt bekommen. Diese Erneuerung des Denkens bewirkt der Heilige Geist in uns. Er transformiert uns und macht uns dazu fähig, Gnade zu empfangen, zu gönnen und weiterzugeben. Er befähigt uns auch die Niederlage unseres Egos zulassen und in Demut annehmen, dass wir wirklich gar nichts für unsere eigene Erlösung tun können. Es heisst auch Zerbruch zuzulassen, zu lernen, die Gnade der Vergebung 7 mal 77 mal anderen zu gewähren und zu erkennen, dass ich nicht mehr mir selbst gehöre, sondern Gottes Eigentum geworden bin. Gott sorgt für mich. Halleluja.

 

Im Namen des Diözesanteams der Charismatischen Erneuerung in der Erzdiözese Freiburg danke ich Uwe Dahlke von Herzen für seine Lehre und Dienst bei unserem Seminar.  

Doris von Reinersdorff

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