Persönlicher Umgang mit dem Wort Gottes

 

Weiter heißt es dort: Die Kirche „ermahnt … alle Christgläubigen … besonders eindringlich, durch häufige Lesung der Göttlichen Schriften, die ,überragende Erkenntnis Jesu Christi‘ (Phil 3,8) zu erlangen. ,Unkenntnis der Schriften ist nämlich Unkenntnis Christi‘ (was ein Zitat vom hl. Hieronymus ist).

Gerade in der charismatischen Erneuerung ist es die Erfahrung vieler, dass durch persönliche Gotteserfahrung und die Taufe im Heiligen Geist auch das Wort Gottes lebendig wird.

In der vom Theologischen Ausschuss von ICCRS herausgegebenen Schrift „Taufe im Heiligen Geist“ lesen wir in diesem Zusammenhang: Die Heilige Schrift wird lebendig. Im Heiligen Geist Getaufte entdecken, oft zum ersten Mal, dass die Heilige Schrift ein lebendiges Wort ist, in dem Gott persönlich zu uns spricht und in dem wir Nahrung und Führung für unser Leben finden. Durst wird geweckt, das Wort Gottes zu studieren, damit es uns verändern kann. Texte, die bereits zuvor gelesen wurden, erhalten neue Klarheit, Lebendigkeit und Relevanz. Aus diesem Grund gibt die Erneuerung typischerweise dem Bibelstudium und stark biblischer Verkündigung und Lehre einen wichtigen Platz. Einfache Gläubige, die im Heiligen Geist getauft sind, verfügen manchmal über tiefgreifendes Begreifen der Heiligen Schrift und tiefe Einsicht in die christlichen Geheimnisse. (S. 21)

Die Bibel ist nicht länger nur ein geschichtliches, theologisches Buch – das natürlich auch, aber gleichzeitig wird es zum „Rhema“, zum lebendigen, persönlichen Reden Gottes – in die aktuelle Lebenssituation hinein.
Ich möchte dazu einladen, ganz persönlich darüber zu reflektieren und auch einander zu bezeugen, wie jeder von uns dies ganz persönlich erlebt hat.

Es gibt manche Schriftworte, die ich mit einer ganz bestimmten Situation verbinde, in der mir gerade dieses Wort Ermutigung oder Trost, vielleicht auch Richtungsweisung oder Ermahnung brachte.Vielleicht wäre das einmal ein geeignetes Thema für den Austausch in einer kleinen Gruppe, im Gebetskreis oder ähnlichem. 

Sicher geht es auch anderen wie mir, dass ein bestimmtes Schriftwort zu einem Leitwort geworden ist, das uns immer wieder neu durch unseren Lebensweg begleitet. Für mich ist ein solches Wort das Bild vom Weinstock und den Reben aus Johannes 15. Ziemlich am Anfang meines Weges mit Gott, noch im Teenageralter, führte eine Bibelarbeit dazu in unserer Jugendgruppe zu einem ziemlichen Aha-Erlebnis, einem meiner persönlichen Meilensteine auf meinem geistlichen Weg. Damals war ich an dem Punkt, wo sich mein Glaubensleben in erster Linie aus der Gemeinschaftserfahrung in der Gruppe nährte. Das Bild von der Rebe, die organisch mit dem Weinstock verbunden ist und nur durch den Pflanzensaft, der durch diese Verbindung strömt, lebendig bleibt und wachsen kann, ließ mich ganz neu die lebendige Beziehung verstehen, die Jesus zu jedem einzelnen von uns haben möchte. Natürlich gibt es in unserem Glauben das Für-Wahr-Halten von Lehren und es gibt den Wir-Aspekt, wir als Kirche, wir als Volk Gottes – aber es gibt auch die ganz persönliche Dimension – dieses Jesus und ich, ich bin mit ihm verbunden.

Immer wieder begleitet mich auch der Aspekt des Fruchtbringens: ohne mich könnt ihr nichts tun. Aber gleichzeitig ist er es, der mein Leben fruchtbar macht, und diese Fruchtbarkeit wünsche ich mir. Und für die Rebe ist das Fruchtbringen etwas ganz Natürliches, etwas, das wie von selbst geschieht. Es geht nicht darum, sich unheimlich anstrengen zu müssen, sondern wenn dieser Pflanzensaft (aus der lebendigen Beziehung zu Christus) durch mich hindurch strömt, geschieht Fruchtbarkeit wie von selbst.

Ab und zu gab es auch Situationen, wo der Aspekt des Beschneidens wichtig wurde. Besonders stark erinnere ich mich da an eine Phase, als ich nach Abschluss meines Studiums nach Spanien ging, um in einer missionarischen Gemeinschaft zu leben und zu wirken. Ich dachte, jetzt bin ich frei für das Reich Gottes und kann viel mehr tun als zuvor. Doch irgendwie kam es anders; Gott stellte mich in Umstände, wo ich das Gefühl hatte, ich tue nichts außer Kochen und Putzen und ich sehe kaum Frucht. Heute verstehe ich, Gott hätte meine Gaben zweifellos effizienter einsetzen können, aber ihm war es wichtiger, mich zu formen und von meinem Leistungsdenken wegzubringen. Damals war mir der Vers: „Jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, da¬mit sie mehr Frucht bringt“ (Joh 15,2) ein ungeheurer Trost und gab mir Halt. Noch heute, Jahrzehnte später, fällt mir dieser Vers zuerst auf Spanisch ein. Dass Gott reinigt (oder wie es in anderen Übersetzungen heißt, beschneidet), bedeutet nicht, dass ich für Gott unbrauchbar bin oder dass er unzufrieden mit mir wäre, sondern wie ein guter Gärtner investiert er in die Zukunft, da er auf lange Sicht Größeres mit uns vorhat.

Welches sind für euch die Schriftworte, die euch beschäftigen und begleiten?

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