Neulich in der U-Bahn in Köln

Ich war bestürzt. Oh je. Eine schlimme Nachricht. Ich betete still die Pfingstsequenz. Nichts geschah, die Frau weinte weiter, tupfte sich die Tränen verstohlen ab. So betete ich weiter in Sprachen und hatte den Eindruck, als ob Gott mir sagte, ich solle ihr ein grünes Gebetskärtchen geben. „Wie Herr? Hier in der vollen U-Bahn? Das ist doch total peinlich!“ – Ermutigt durch das Zeugnis von Helmut Hanusch beim CE-Deutschlandtreffen 2013, habe ich immer drei bis fünf kleine grüne Gebetskärtchen der Pfingstsequenz in meinem Portemonnaie. Man weiß ja nie …

Ich betete weiter in Sprachen, hatte ein Bild von einer einsamen Kerze in einer dunklen Kirche, doch das Wort blieb und wurde sogar drängender: „Gib ihr die Karte!“ Ich wägte ab: Ok. Die Frau kennt mich nicht, ich kenne sie nicht. Was kann schlimmstenfalls passieren? Die Frau gibt mir vielleicht eine patzige Antwort und wirf das Gebetskärtchen weg. Kein Super-Gau. Vielleicht ein bisschen peinlich, weil andere das mitkriegen könnten. Ich zögere. Die Frau telefoniert. Ich höre, wie sie sagt: „Ich steige gleich am Neumarkt aus.“ Oh super! Ich steige auch am Neumarkt aus. Ich gebe ihr die Karte beim Aussteigen. Dann kriegt es keiner mit! Danke Herr!“ Er hat die Latte ein wenig niedriger gehängt!

Wir fahren am Neumarkt ein und prompt kommt ein bekanntes Gesicht auf mich zu: „Hallo Christine, lange nicht gesehen!“ Mist! Ich wollte doch beim Aussteigen die Karte …

„Hallo Anna! Kannst Du eben auf dem Bahnsteig auf mich warten, ich muss noch was erledigen.“ Dann drehe ich mich zu der Frau um. „Entschuldigen Sie, aber ich habe den Eindruck, ich solle Ihnen dieses Gebetskärtchen geben. Außerdem habe ich eben für sie gebetet und ich glaube, dass irgendwo in einer Kirche eine Kerze für Sie brennt.“ Die Frau schaut mich aus tränenreichen roten Augen an als sei ich ein Alien und haucht stöhnend ein Danke. Ich bin erleichtert, drehe mich um und gehe schnell zu Anna, die auf mich wartet.

Nach kurzer Zeit verabschiedet sich Anna in der Neumarktpassage und ich gehe weiter und sehe vor mir auf einmal die Frau. Sie geht langsam, nachdenklich. Ich spreche sie von der Seite vorsichtig an: „Entschuldigen Sie wegen eben, ich bin eigentlich nicht so, ich mache das sonst nie.“ Die Frau strahlt, keine Spur von Tränen: „Sie sind ein Engel. Genau das habe ich gebraucht. Jetzt geht es mir wieder richtig gut. Sie haben mir den Tag gerettet. Gott segne Sie.“

Jetzt bin ich perplex. „Gott segne Sie auch“ antworte ich und wir gehen beide unserer Wege.

Christine Emmerich

 

Gebetskärtchen 
Gebetskärtchen mit dem Text der „Pfingstsequenz“ können Sie in beliebiger Menge im CE-Büro Maihingen (info@erneuerung.de, Tel. 09087-90300) anfordern. Zur Deckung der Herstellungs- und Versandkosten bitten wir um eine Spende (Herstellungskosten: ca. 1 Cent / Kärtchen)

 

Pfingstsequenz

Komm herab, o Heiliger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
Komm, der gute Gaben gibt,
Komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.

In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.
Amen. Halleluja.

(um 1200)

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