Juden, Christen und Muslime

Tausende Muslime hatten am Freitag, dem 19. September in ganz Deutschland ein Zeichen gegen den islamistischen Terror gesetzt. Bei Friedensgebeten und Kundgebungen wandten sie sich gegen Rassismus und Extremismus. Zentrale Bedeutung kam einer Veranstaltung in Hannover zu, an der auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière teilnahm. „Die Religionen sollen Frieden stiften und nicht Hass säen“, sagte der Minister während seines Besuchs der Eyub-Sultan-Mosche in Ronnenberg bei Hannover. Mit ihrem Aktionstag würden die Muslime zeigen, „dass Hass und Gewalt niemals im Namen des Islam legitimierbar sind.“

Der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, Ali Kizilkaya, distanzierte sich von der Terrororganisation Islamischer Staat. „Im Nahen Osten wird der Name Allahs missbraucht“, betonte er. Die Terroristen töteten und quälten Menschen, „aber ihre Verbrechen zeigen, dass sie kein Wort von unserer Religion verstanden haben.“ (aus der Tageszeitung „Göttinger Tageblatt“ vom Samstag, dem 20. September 2014)

In zahlreichen Leserbriefen, Interviews und Kommentaren wird die Frage gestellt: Wie ist ein Miteinander in Frieden von Juden, Christen und Muslimen möglich?

Eine klare Antwort gibt Papst Benedikt XVI. in seinem nachsynodalen Schreiben „Ecclesia in Medio Oriente“ vom 14.09.2012:

 (19.) Das Wesen und die universale Berufung der Kirche erfordern, daß sie im Dialog mit den Anhängern der anderen Religionen steht. Dieser Dialog basiert im Nahen Osten auf den geistlichen und historischen Beziehungen, welche die Christen mit den Juden und mit den Muslimen verbinden. Dieser Dialog, der in erster Linie nicht von pragmatischen Erwägungen politischer oder gesellschaftlicher Art bestimmt ist, beruht vor allem auf theologischen Fundamenten, die den Glauben anfragen. Sie stammen aus der Heiligen Schrift und sind in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche, Lumen gentium, und in der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, Nostra aetate,[17] klar definiert. Juden, Christen und Muslime glauben an den einen Gott, den Schöpfer aller Menschen. Könnten doch die Juden, die Christen und die Muslime einen der göttlichen Wünsche, den der Einheit und der Harmonie der Menschheitsfamilie, wiederentdecken! Könnten doch die Juden, die Christen und die Muslime im Andersgläubigen einen Bruder entdecken, der zu achten und zu lieben ist, um in erster Linie in ihren Ländern das schöne Zeugnis der Gelassenheit und des freundschaftlichen Umgangs unter den Söhnen Abrahams zu geben! Anstatt sich in den wiederholten und für einen wirklich Glaubenden nicht zu rechtfertigenden Konflikten instrumentalisieren zu lassen, kann die Erkenntnis eines alleinigen Gottes – wenn sie mit reinem Herzen gelebt wird – wirksam zum Frieden der Region und zum respektvollen Zusammenleben ihrer Bewohner beitragen.

(30.) Die wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten, die Begabung einiger zur Manipulation und ein mangelhaftes Verständnis der Religion bilden unter anderem die Basis für den religiösen Fundamentalismus. Dieser sucht alle religiösen Gemeinschaften heim und lehnt das jahrhundertealte Zusammenleben ab. Aus politischen Gründen sucht er – manchmal mit Gewalt – die Macht über das Gewissen der einzelnen und über die Religion zu gewinnen. Ich appelliere an alle jüdischen, christlichen und muslimischen Religionsführer der Region, danach zu streben, durch ihr Beispiel und ihre Lehre alles zu tun, um diese Bedrohung auszumerzen, die unterschiedslos und tödlich die Gläubigen aller Religionen ergreift. „Geoffenbarte Worte, heilige Schriften oder den Namen Gottes zu gebrauchen, um unsere Interessen, unsere – so leicht willfährige – Politik oder unsere Gewalttätigkeit zu rechtfertigen, ist ein sehr schwerer Fehler.“

(Hier finden Sie den vollständigen Text)

Jeder von uns hat unterschiedliche Möglichkeiten zum Frieden beizutragen. Eines aber können wir alle: Die von Gewalt und Krieg bedrohten Christen, Juden und Muslime jeden Tag vor Gott zu bringen und IHN inständig bitten, dass SEIN Reiche komme, im nahen und fernen Osten wie auch bei uns. „Komm, Herr Jesus, komm!“

Diakon Helmut Hanusch, Vorsitzender der CE

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