Ihr sollt meine Zeugen sein – Deutschlandtreffen der Charismatischen Erneuerung

Vorsichtig teilt Joshua das Meer aus blauer Knetmasse. Wir sind mittendrin im Workshop „Bibel.Stop.Trick: Auf ins verheißene Land!“ Der Elfjährige und seine Mitstreiter produzieren unter Anleitung von Ruth Brozek einen Kurzfilm, mit selbst gebastelten Knetfiguren und mithilfe einer Digitalkamera. Stück für Stück, Bild für Bild ziehen Mose und die Israeliten nun durch das Rote Meer, das in dem Fall blau ist. Egal. Wo das verheißene Land liegt, das weiß Joshua ganz genau: „Da, wo Gott ist, persönlich, und wo alle hin können, die an ihn glauben.“ (>Video)

Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez (Fulda) sprach in der Eucharistiefeier am Freitag vom verheißenen Land als dem großen Ziel. Die christliche Botschaft verbinde mit diesem Land auch den Tod – nicht als einem Ende, sondern dem „Horizont der Hoffnung“, eine Realität, die „wir uns nicht wirklich vorstellen, sondern nur erahnen können“. Christen, so Diez, leben in einer Umbruchsituation, „schon in die Gemeinschaft mit Gott aufgenommen, aber noch nicht ganz im Himmel.“ So verband Diez mit dem Thema noch einen anderen Begriff: Die Sehnsucht nach Erfüllung, die jede Verheißung mit sich bringe.

„Mittendrin“ ist nicht nur der Name dieses Treffens, das nun zum siebten Mal stattfand – mitten in Deutschland. Es war diesmal auch eine wichtige Botschaft: Das verheißene Land liegt mittendrin im Alltag. „Christ sein heißt vor allem auch Zeugenschaft“, sagte Pfarrer Josef Fleddermann (Bremen), stellvertretender Vorsitzender der CE Deutschland, im Eröffnungsgottesdienst. Und am Schluss brachte es Pater Walter Winopal SDS (Lochau) noch einmal auf den Punkt: „Ihr sollt meine Zeugen sein“, das sei der klare Auftrag für den Weg ins verheißene Land.

In den Tagen dazwischen gab es für die Teilnehmer Ermutigung pur für diesen Auftrag: Im Lobpreis, durch Impulse – unter anderem von Beatrice Spiers, Generalsekretärin der CE in Brasilien, – bei Gebets- und Segnungsabenden, in rund 40 Workshops und den vielfältigen Angeboten für die Kinder und Jugendlichen. Immer wieder ging es um Moses Nachfolger Josua, der mit der Hilfe Gottes das Volk Israel ins verheißene Land geführt hatte. Folgerichtig sah Franz Zeugner von der „Immanuel Lobpreiswerkstatt“ am Ende „viele Josuas“ die mit einem Lied auf den Lippen aufbrachen: „Sei mutig und stark, denn es kommt der Tag, an dem du das Land der Verheißung siehst.“

Aber nicht nur die geistliche Stärkung war den Teilnehmern wichtig. „Ich genieße auch die Gemeinschaft mit anderen Christen“, sagt etwa Mirjam Burkhardt aus Maihingen. Der 20-jährigen Rahel aus Berlin geht es ähnlich. „Ich hab mich auf die Gemeinschaft gefreut, und auf neue Erfahrungen mit Gott.“ Ihre Freundin Rosa findet es „interessant, dass alle Generationen hier zusammen sind“. Mit dieser Meinung steht Rosa nicht allein. Lukas beispielsweise hatte dem Zusammensein von Jung und Alt mit Spannung entgegengesehen. Gegen Ende des Treffens ist der 21-Jährige aus Augsburg „begeistert, was die Tage über aufgebrochen ist, dass sich die Generationen miteinander nach Gott ausgestreckt haben.“ Den älteren Teilnehmern geht es ähnlich. Von einem „freundlichen Miteinander“ spricht Konrad Jonas mit Blick auf die Entwicklung bei diesen Treffen. Der 73-Jährige war früher Sprecher der CE im Bistum Paderborn. Das Miteinander der Generationen sei ihm immer ein Anliegen gewesen, sagt er. Und es ist eine Segensspur für die CE als Ganzes, die spätestens beim Zukunftsforum der Bewegung in Hünfeld im Frühjahr 2012 erstmals deutlich sichtbar war und sich nun bei diesem Treffen in Künzell fortgesetzt hat.

Über ihre Visionen zur Zukunft der Katholischen Kirche in Deutschland sprachen profilierte Vertreter der CE, die in verschiedenen Bereichen der Kirche tätig sind. Als eine Frucht dieses Theologischen Forums verabschiedeten die Teilnehmer einen Aufruf an die Kirche, dem Heiligen Geist mehr Raum zu geben. Dieser Aufruf ist nachfolgend im Wortlaut zu finden.

Text: Beate Dahinten / Fotos: Wolfgang Rassl

 

Aufruf „Gebet um ein neues Pfingsten“

Wie kann der Heilige Geist der Kirche helfen, die heutige Krise zu überwinden? So lautete eine Frage beim Deutschlandtreffen der Charismatischen Erneuerung. Und man war sich einig: Die so dringende Neuevangelisation kann nur in der Kraft des Heiligen Geistes erfolgen. Deshalb wurde folgendes Wort an die Kirche gerichtet:
„Wir rufen unsere Kirche auf, sich nach dem Wirken des Heiligen Geistes auszustrecken, weil er denen nahe ist, die ihn erwarten. Es ist die Bestimmung der Kirche, hinzuhören auf das, was der Geist ihr sagen will. Wir nehmen in den Nöten unserer Kirche und Gesellschaft wahr, dass der Geist Gottes zu einer Neuevangelisierung drängt. Er lädt dazu ein, seine Charismen im ganzen Volk Gottes zu entdecken und zu leben. Wir sehen das Wirken des Geistes in Glaubenskursen, die Erfahrungsräume des Glaubens öffnen. Wir setzen uns ein für neue musikalische Gebets- und Anbetungsformen (Lobpreis), Gebetsgruppen und -orte, für neue Gottesdienstformen wie zum Beispiel Segnungsgottesdienste. Wir rufen das Volk Gottes, Laien, Priester, Bischöfe auf zum Gebet der Pfingstsequenz für ein neues Pfingsten in unserer Kirche.“

 

Mittendrin 2013 3
Gutes Miteinander: Der Vorsitzende der CE Deutschland, Helmut Hanusch (rechts), dankte Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez (Fulda), der mit den Teilnehmern die Heilige Messe feierte, für sein Kommen.

 

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