Prophetie – Teil 1, Prophetie als Geistesgabe

Eine der Gaben des Heiligen Geistes gemäß der klassischen Stelle im Neuen Testament in Eph 4,11 ist das „prophetische Reden“.

Gerhard Johannes Stern

Prophetie ist seit dem Alten Testament bekannt. Gott schickt immer wieder Menschen, die er begabt, ihn zu hören, zu verstehen und die seine Botschaft an die Menschen, seinen Willen, übersetzen und kundtun können. Der letzte dieser Art der Propheten, in deren Reihe große Namen wie Hiob, Jesaja oder Jeremia stehen, ist der Vorläufer Jesu, der Täufer Johannes. Er bildet das Bindeglied zum Neuen Bund, in dem durch das Wirken des Heiligen Geistes diese prophetische Gabe und Begabung allen Christen zuteil wird, manchen in besonderem Maße.

Wichtig ist dieses Charisma für alle Gruppen und Gemeinden, da es zum sog. „fünffältigen Dienst“ gehört (das sind das Amt des Propheten, des Lehrers, des Apostels, des Evangelisten und das des Hirten), der eine funktionierende und wachsende Gemeinschaft ausmacht.

Die Prophetie ist durch den Heiligen Geist, wie bereits gesagt, nicht bloß einigen wenigen vorbehalten, sondern kommt auch im normalen Alltag eines charismatischen Christen vor. Grundlage der Prophetie ist das Hören auf Gottes Stimme. Und das ist sogar von Natur aus in jedem Menschen angelegt, erst recht durch das Sakrament der Taufe sowie der dazugehörigen Firmung.

Viele von uns haben vielleicht schon früh bemerkt, dass in unserem Innern immer eine Art Stimme überlegt oder sogar einen Dialog führt. Unsere Gedanken formen Worte und Ideen, die uns durch den Kopf gehen, wenn wir Arbeiten, Sport machen oder sogar während eines Gesprächs mit anderen. In Filmen hört man da oft diese innere Stimme, die Fragen aufwirft oder eine Szene kommentiert. Manche Menschen sprechen oft sofort aus, was sie gerade denken, oder man sieht ihnen in ihrer Mimik an, dass etwas in ihnen vorgeht. Das zu lesen haben viele von uns in ihrem Leben erlernt.

Auch haben sicher einige von uns die Erfahrung gemacht, dass wir zum Beispiel im Straßenverkehr innerlich vor einer kurz bevorstehenden Gefahr gewarnt oder zur Vorsicht gemahnt werden. Wenn man auf diese Eingebung gehört hat, dann ist man dem drohenden Unfall glücklich entkommen; hat man sich über diese innere Stimme hinweggesetzt, kann es sein, dass man nach dem erfolgten Unfall bekennen muss, dass zuvor etwas in einem darauf aufmerksam gemacht hat und man leider nicht gehorcht hat. Jetzt hat man das ungute Resultat!

Auch andere innere Anstöße kennen einige von uns. Da muss man plötzlich und unvermittelt an jemanden denken und fühlt sich animiert, ihn anzurufen oder vorbeizuschauen. Und tatsächlich geht es der Person nicht gut. Es ist für sie schön und hilfreich, dass sie erfährt, dass einer an sie denkt, und spürt, dass sie Hilfe oder Zuspruch braucht. Das sind Situationen aus dem ganz normalen Leben, die es gibt und die uns manchmal freudig stutzig machen.

Da muss es doch mehr geben! Da hat jemand anders noch seine Hand im Spiel! Durch die bewusste Übergabe unseres Lebens an Jesus und die Bitte um die Ausgießen des Heiligen Geistes v.a. im charismatischen Bereich wird unser Leben bereichert und veredelt; sehen wir vieles noch klarer und rechnen mehr mit dem deutlichen Wirken Gottes in unserem Alltag. Der Heilige Geist füllt uns mit seiner Präsenz und unsere Seele, unsere Sinne und unser Geist werden sensibler für Jesu Gegenwart und für seine Worte in der Hl. Schrift und im Gebet. Gebet ist immer Dialog, Gespräch mit Gott. Gespräch ist wie gesagt keine Monolog, sondern eine Unterhaltung von mindestens zwei Personen.

Jesus Christus ist das Fleisch gewordenen Wort Gottes. Das Wort Gottes, das er aussendet und nie leer zu ihm zurück kommt. Das Wort Gottes, das alles erschaffen hat und ins Sein gebracht hat. Das Wort, das Leben bringt. Gott ist ein lebendiger Gott. Er ist nicht stumm. Er spricht. Er schafft Neues, durch sein Wort ist er kreativ, schöpferisch. Er schöpft aus seinem unendlichen Reichtum an Ideen, an Leben, an Frieden, an Gaben, an Liebe, an Heilung, … Und er will, dass wir leben, heil sind, dass wir Ideen haben, dass wir ihn erkennen, dass wir ihn und die Mitmenschen lieben, dass wir kreativ sind,

So ist er daran interessiert, mit uns in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Das geht sehr gut durch gute Einfälle, Gedanken, Bilder, durch seine Schöpfung und Worte. Hier ist die Brücke zu unserem Geist, unserer Seele, unseren Gedanken und unserem Sinnen. Wie ich oben bereits geklärt habe, hat der Mensch von jeher die Eigenschaft, auch innerlich zu „hören“, Eindrücke zu sammeln und zu verarbeiten. Hier ist auch der „Ort“ des Hörens auf Gott.

Dieses „Hören“ braucht meist Stille, Ruhe und die Möglichkeit, Verbindung zu seinem Inneren, zur eigenen Seele und zum eigenen Geist zu suchen und zu finden. Gebet in vielerlei Form, Musik, Bibelstudium und eine gewisse Kenntnis der „inneren Welt“ und der Seele sind dabei unbedingt von Vorteil. Die Gabe des Sprechens in Zungen, der meditative Rosenkranz, das „Jesusgebet“ oder das Ruhegebet sind gute Treppen und Brücken dazu. Ebenso Lobpreis oder Eucharistische Anbetung. Natürlich ist auch die Offenheit und die Bereitschaft, sich auf das Hören der Stimme und Worte Gottes einzulassen, ihm zu zutrauen, dass er zu mir kleinen Menschen spricht, und dass ich nicht mein Zweifeln, mich blockieren lasse, das alles sind gute Bausteine für das „Hören“ Gottes Sprechen hinein in dieses Zeit und in und zu uns!

Ach ja, da sind noch Mut und Demut, wovon auch je ein Portion sehr hilfreich erscheinen. Das mag sich alles vielleicht gerade kompliziert und hoch und ein wenig überfordernd anhören, aber in der Realität ist es ähnlich einfach und „normal“ wie diese innere Stimme, die mich davon abhalten will, die Straße an dieser Stelle zu überqueren, weil hier eine Gefahr lauert.

Wie es möglich ist, auf Gottes Stimme in meinem Leben und Alltag zu hören und sie zu „verstehen“, darum geht es nächste Woche im 2. Teil!