Die Bibel, Teil 1

Pater Rudolf Ehrl

Persönliche Erfahrungen und Schlüsselmoment

Fürchtet euch nicht
vor dem Buch mit sieben Siegeln!

Immer wieder werden wir eingeladen oder aufgefordert, die Heilige Schrift zu lesen.
Die Heilige Schrift – Bibel genannt – ist Wort Gottes an uns Menschen und Dokument unseres Glaubens.

Doch für viele Menschen ist die Bibel ein Werk, das mehr verwirrt als klärt.

Sie ist buchstäblich ein Buch mit sieben Siegeln, das sich nicht so ohne weiteres öffnen lässt. Und das ist sogar in der Bibel selbst schon so geschrieben:

1 Und ich sah auf der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, eine Buchrolle; sie war innen und auf der Rückseite beschrieben und mit sieben Siegeln versiegelt. 2 Und ich sah: Ein gewaltiger Engel rief mit lauter Stimme: Wer ist würdig, die Buchrolle zu öffnen und ihre Siegel zu lösen? 3 Aber niemand im Himmel, auf der Erde und unter der Erde konnte das Buch öffnen und hineinsehen.” (Offb 5,1-3)



Wer eine Bibel in die Hand nimmt, macht sich auf einen Weg.
Dieser Weg kann sehr lang und beschwerlich sein. Er beinhaltet aber auch viele lesens- und lebenswerte und schöne Momente, von denen wir sagen, dass sie sogar lebensnotwendig sind. Ich möchte hier eine Lanze für die Bibel brechen und versuche, meinen eigenen Weg mit dem Buch der Bücher zu beschreiben. Dein/Ihr Weg mit der Bibel kann und wird anders aussehen. Nie aber ist er nur steinig, aufsteigend und unwegsam. Manchmal ist er schlicht erholsam und wohltuend.

Aber ich will von vorne beginnen.

Nach meinem Abitur bin ich in Fürstenzell bei den Maristen eingetreten. Zwei Jahre lang studierte ich an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Passau Theologie, darunter Biblische Einleitungswissenschaften bei dem von mir sehr geschätzten Prof. Otto Knoch. Vier Semester wissenschaftliches Herantasten an die Heilige Schrift. Hintergrundwissen zu Hauf. Ich hatte doch schon eine ganze Menge von der Bibel gelernt.

Schnitt.

Nach vier Semestern habe ich mein Studium für ein Jahr unterbrochen und in Irland mein Noviziat absolviert, das Einführungsjahr in das Ordensleben, das in der Regel mit der zeitlichen Profess (Ordensgelübde) endet. Dort besprach unser Novizenmeister mit uns das Johannes Evangelium. Ein Schock. Da wurde plötzlich alles Wort für Wort genommen. Anscheinend keine Spur von dem, was ich in vier Semestern gelernt hatte. Aber das kann man doch nicht alles ignorieren! Da ist doch die Zeit stehen geblieben. Wir sind doch schon viel weiter! – So dachte ich und suchte immer wieder Rat bei einem Mitbruder, der sich viel Mühe gab, mir andere Herangehensweisen an die Heilige Schrift zu ermöglichen. Aber mein verkopftes Hirn wollte da noch nicht mitmachen.

Als das Noviziat sich dem Bergfest (= dem Halbjahr) näherte, fand im Gebetskreis im Loreto College ein “Leben im Geist Seminar” statt. Nachdem ich auch im Gebetskreis die ersten Hürden genommen hatte (wieder mit der Hilfe meiner Mitbrüder, und es waren keine kleinen Hürden!) habe ich am Seminar teilgenommen. Da zeigte sich ein ganz anderer Umgang mit der Heiligen Schrift. Da wurde plötzlich Wirklichkeit, was ich bereits gehört hatte, aber nicht umsetzen konnte. Die Heilige Schrift wurde vom Dokument des christlichen Glaubens und literarischen Kunstwerk zum Wort Gottes, und zwar zu einem Wort, durch das Gott direkt zum Menschen – zu mir spricht. Und dieser Gott hat nicht nur Forderungen, Gebote und Verbote an mich zu richten. Er hat vielmehr eine Verheißung und diese Verheißung heißt Leben – ewiges Leben! Nicht mehr und nicht weniger. Die Grundbotschaft lautet: Gott liebt mich und akzeptiert mich so wie ich bin. Ich kann von meiner Seite nur Antwort geben auf die unendliche Liebe Gottes.

Mit der Bibel kann ich mich auf verschiedene Weise befassen.

Auf einige wesentliche Formen geht Pater Rudolf im 2. Teil am nächsten Sonntag ein. Die komplette PDF zur Bibel (Teil 1 und Teil 2) zum Abheften gibt es nächste Woche.

Hast du zu diesem Teil noch Fragen?
Melde dich jederzeit: CE-Passau@erneuerung.de