Geistliche Begleitung

Trixi Schönbuchner

Bevor ich mit meinen eigenen Erfahrungen beginne, möchte ich vorab kurz erklären, was ein „geistlicher Begleiter“ eigentlich ist. Vielleicht hören einige diesen Ausdruck zum ersten Mal. Ich schreibe jetzt nur noch in „Er-Form“. Natürlich kann es ein Mann oder eine Frau sein.

Ein geistlicher Begleiter ist jemand, der dich auf deinem Lebens- und Glaubensweg begleitet. Neben der fachlichen Qualifikation, seinen eigenen geistlichen Erfahrungen und menschlicher Reife fühlt er sich von Gott berufen, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Er hilft dir, deinen Weg mit einem liebevollen Blick aus Gottes Augen wahrzunehmen und unterstützt dich, das Wirken Gottes in deinem Leben zu erkennen.

Ganz wichtig: ein geistlicher Begleiter ersetzt keine Psychotherapie (!) und ist nicht gleichzustellen mit Lebensberatung.

Die Gespräche finden in einer geschützten Atmosphäre statt, und man trifft sich mit seinem freigewählten Begleiter in regelmäßigen Abständen ( ca. 4 – 6 Wochen). Die Dauer der Gespräche können unterschiedlich ausfallen. Bei mir sind es ungefähr 1 ½ Stunden.
In den Treffen kann alles, was dich in deinem Leben bewegt, um was du gerade ringst, was dich bedrückt, zum Thema werden. Klar kann es und muss es auch manchmal sein, dass du auf deine eigenen Schwächen hingewiesen wirst, doch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das alles immer unter einem sehr barmherzigen und nicht wertenden Blick geschieht. Während der Zeit des Gesprächs zeigt sich manchmal auch etwas Unerwartetes das dir nicht bewusst ist. Irgendein „Stein“, der dir im Weg liegt und der verhindert, dass du weiterkommst. Dein Begleiter unterstützt dich, diesen Spannungen, inneren Konflikten nicht mehr auszuweichen zu wollen und hilft dir, dich damit auseinanderzusetzen. Du erkennst in dir neue Möglichkeiten, auch durch entsprechende geistliche Übungen oder Hinweise, wie du damit in den nächsten Wochen umgehen könntest.

Nun meine eigenen Erfahrungen:

Ich wuchs sehr geborgen und familienbezogen auf dem Land auf. Ich wurde katholisch erzogen, fand aber in meinen Jugendjahren nicht mehr viel Sinn darin, und verabschiedete mich von allen „Traditionen und Ritualen“, unter anderem weil es mir auch zu unecht und aufgedrückt erschien. Doch irgendwie war ich immer auf der Suche. Dementsprechend fiel meine Jugendzeit ziemlich haltlos und mit einigen nicht so schönen Erfahrungen aus. Das setzte sich fort, bis ich meinen jetzigen Ehemann traf. Er brachte Stabilität in mein Leben und gab mir Halt, und doch war ich sehr belastet durch alte Verletzungen. Das äußerte sich durch Ungeduld, Eifersucht, Zorn, Angst und Perfektionismus. Mein Selbstwert war sehr beeinträchtigt.

Als ich vor genau 10 Jahren zum Glauben kam, war das für mich und für mein Umfeld tatsächlich unglaublich ereignisreich. Durch anfängliche Gespräche mit einem Menschen, der Jesus bereits sehr nahe war und erste Besuche in einem Gebetskreis, merkte ich ganz deutlich: da ist mehr!

Ich ließ mich darauf ein, und erlebte eine wunderschöne Zeit. Eine Zeit, in der ich große Geborgenheit wahrnehmen durfte, und die mich erahnen ließ: ich bin geliebt und wertvoll.

Ich sagte „Ja“ zu Jesus. Ich konnte gar nichts anders. Mit diesem Schritt begann mein „offizeller“ Weg mit Gott. Offiziell deshalb, weil ich heute weiß, dass er mich schon im Mutterleib liebte und mich nie aus den Augen verloren hat.

Es begann ein ganz anderer Weg, ein neuer, fremder Weg. Ein Weg, der viele, viele Fragen aufkommen ließ. Ich hatte ja keine Ahnung! Ich stürzte mich auf die Bibel, hörte Lehren im Internet und laß, was mir in die Finger kam. Ich wollte auf keinen Fall irgendetwas falsch machen.

Schon bald bekam ich den Hinweis, mir einen geistlichen Begleiter zu suchen. Ich habe darum gebetet und auch jemanden gefunden. Es kann manchmal etwas dauern, bis man die richtige Begleitung findet. Es muss einfach auch passen.

Irgendwie war es neu und anfangs komisch für mich, jemanden zu haben, bei dem ich ganz offen über alles sprechen konnte, der nicht urteilte, sondern unter Gottes liebenden Blick das Beste für mich wollte. Das durfte ich spüren und auch lernen.

Auch, dass ich mir etwas sagen lasse. Es hat lange gedauert, bis ich merkte es sind keine Maßregelungen, es ist kein Kritisieren oder schlecht machen. Mir waren ja all meine „bitteren Wurzeln“ gar nicht bewusst, und ich fand es auch nicht sonderlich ungewöhnlich, dass man mit Eifersucht, Neid und Wut das einfordert, was einem zustehen sollte. So tickt doch die Welt irgendwie. Wie diese Eigenschaften allerdings einschränken, unfrei machen und Beziehungen gefährden, war mir nicht klar. Mir ist das ganz wichtig, dass ich das schreibe! Lass dir etwas sagen oder blockiere nicht sofort, wenn du auf schlechte Eigenschaften hingewiesen wirst! Keiner ist perfekt und nur das Erkennen dieser schlechten Eigenschaften kann dich in die Tiefe bringen. Dahin, wo sie gepflanzt sind: in die bitteren Wurzeln und die alten Wunden. Genau da möchte Gott hin und dich heilen!

Eigentlich hat man bereits alles, was man braucht, nämlich Gottes Liebe. Die Gewissheit zu erlangen, dass Er uns versorgt, ist ein Lernprozess bei dem mir unter anderem meine Begleiter immer super geholfen haben und immer noch helfen. Manchmal muss man auch ziemlich schmerzliche Umwege gehen und Krisen durchleben, damit man zur Erkenntnis kommt. In Krisen zeigt dir Gott deine Schwächen! Da ist es gut, wenn man jemanden hat, der mit einer „gelassenen Ernsthaftigkeit“ entgegenkommt.

Hast du Fragen? Bist du auf der Suche nach einem geistlichen Begleiter?

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