Identität leben – die persönliche Gebetszeit

Georg Farnhammer

Mitte der 80-er Jahre fand in unserer Pfarrei ein Seminar der charismatischen Erneuerung statt, das von Pfr. Gustav Krämer und Barbara Busowietz durchgeführt wurde. Meine Frau nahm von Anfang daran teil und erzählte mir von den nachhaltigen Eindrücken nach den ersten beiden Abenden. Dies machte mich neugierig, ging aber ohne besondere Erwartungen, eher mit gewissen Vorbehalten („wieder eine so übliche Glaubensveranstaltung“) zum dritten Abend hin.

Dass dieser Abend der Beginn eines „neuen“ Lebens mit Jesus wurde, konnte ich nicht erahnen.

Dies bedeutete die Wende von einem bis dahin eher traditionell geprägten Leben im Glauben zu einem neuen Glauben wurde, der durch eine lebendige, persönliche Beziehung zu Jesus im Heiligen Geist geprägt ist. Im täglichen Gebet zu festen Zeiten am Morgen und Abend konnte ich zu ihm Kontakt aufnehmen wie zu einem menschlichen „Du“, ihm alles mitteilen und erbitten und alles von ihm erhoffen. Ich durfte sicher sein, dass er mich trotz meiner Schwächen und Fehler annimmt, mir verzeiht, mich in seiner Hand hält, mich nie fallen lässt – warum?, weil ich sein Kind bin, sein Geschöpf bin und weil er mich unendlich liebt. Dies waren für mich neue Glaubenserfahrungen.

Es wuchs das Bewusstsein und die Sicherheit, dass ich ihm vertrauen darf, dass ich ihm mein Leben übergeben darf, weil er das Beste mit mir vorhat und mein Leben gelingen lassen möchte. Ich bin ohnmächtig, aber er kann alles. Dies wurde meine Grundüberzeugung. Das machte mich ruhig, zufrieden, freudig und lebensfroh. Es wurde mir zunehmend zum Bedürfnis, die Dankbarkeit über diese Freundschaft mit Jesus im Lobpreis und der Anbetung zum Ausdruck zu bringen.

In Phasen, in denen ich das tägliche Gebet vernachlässige, ist es meine Frau, die dies an meinem Verhalten feststellt. Ich beginne dann, unzufrieden zu werden, übe überzogen Kritik an anderen, hadere mit Mitmenschen und Situationen oder beginne selbstmitleidig zu werden.

In den letzten Jahren erweiterte sich mein Gebetsleben über die tägliche Gebetszeit hinaus. Es wuchs mein Bedürfnis, meine Sehnsucht, Jesus noch intensiver zu suchen und zu erfahren in regelmäßigen Anbetungen, Stillezeiten in der Kirche, Einkehrtagen, Rosenkranzgebeten, Lesen der Stundengebete.

In den Tagesablauf beziehe ich häufig Jesus mit ein und bitte um seinen Heiligen Geist z.B. bei schwierigeren Gesprächen, Telefonaten, Entscheidungen, Alltagsanliegen, Fürbitten, Segnungen.

Alles Tun und Handeln „In Gottes Namen“!

Hinweise zum persönlichen Gebet, die du flexibel anwenden kannst:

• Suche dir einen Ort, an dem du ungestört sein kannst und dich sicher fühlst

• Lege dir auch gerne etwas zum Aufschreiben dazu

• Du kannst eine Kerze anzünden, wenn du willst.

• Bitte Gott um Schutz und eine ungestörte Zeit

• Solltest du nicht zur Ruhe kommen, versuche es mit Achtsamkeitsübungen am Anfang. Du darfst vor Gott sein, wie du bist! Er kennt dich besser als du selbst!

• Was passiert in deinem Herzen? Was liegt dir auf dem Herzen?

• Erzähle es Gott mit deinen eigenen Worten – er hört und versteht dich immer

• Du darfst einfach nur still sein und dich im Herzensgrund berühren lassen

• Du darfst für Anliegen beten oder für Menschen

• Du darfst um Vergebung bitten, wenn du denkst, du bist schuldig

• Du darfst mit Seiner Hilfe anderen vergeben

• Du darfst Gott danken für Dinge, über die du dich freust

• Du darfst mit Gott über alles reden, wie mit einem Vater!

• Am Ende der Gebetszeit bittest du noch um Schutz für den Tag oder für die Nacht (je nach dem zu welcher Zeit du betest)

• Wenn dir etwas wichtig war, notiere es dir

• Mit einem „Vater-unser“ oder einem Kreuzzeichen kannst du deine Gebetszeit beenden.

Bleib dran, auch wenn es manchmal schwer fällt! Die täglichen Gebetszeiten stärken dich und bringen Beständigkeit in deine Identität als Kind Gottes und in dein Glaubensleben. Vielleicht wirst du merken, dass sich das Gebet nach einiger Zeit auf deinen Alltag auswirkt, und du an Jesu Hand durch den Tag gehst. Versuchungen wirst du vielleicht schneller auf dem Grund gehen und mit Gottes Hilfe dagegen ankämpfen können. Vielleicht wirst du sogar nach dem „Amen“ weiterbeten?

Viel Freude und Segen mit deiner ganz persönlichen Zeit beim Vater.

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