„Wir lassen uns das Kreuz nicht wegnehmen!“

„Wir lassen uns das Kreuz nicht wegnehmen!“

Ein Aufschrei, der in den letzten Jahren durch das ganze Land ging. Das Kreuz ist Tradition und gehört in unsere Schulen, Krankenhäuser und Einrichtungen. Wie einig können sich Christen sein? Wirklich super, oder?

Wir lassen uns nichts nehmen. Martinszug bleibt Martinszug, der Wetteifer um den höchsten Palmbesen der Kinder lässt unser Herz höherschlagen, und die langen Schlangen bei den Fronleichnamsprozessionen zeigen uns, dass zusammengehalten wird und dass es doch noch lebendige Pfarrgemeinden gibt.

Doch… Moment.

Drehen wir die Zeit mal zurück…. Ein bisschen mehr als 2.000 Jahre. Zum Ursprung des Kreuzes, welches heute so verteidigt wird.

Zu Jesus selbst.

Jesus wurde damals den Menschen weggenommen. Wie groß war der Aufschrei in dieser Zeit? Hat eigentlich irgendwer noch geschrien außer ein paar vereinzelte Personen, die unter Seinem Kreuz standen? Ich denke mir, die Schreie waren weder Wutschreie oder Hassschreie, sondern Schreie der Verzweiflung und Resignation. Schreie der tiefsten Trauer.

Viele haben sich damals abgewandt von Jesus. Anfangs wurde er bejubelt und von allen geliebt, doch als es gefährlich wurde, kehrten Ihm viele den Rücken, kannten Ihn nicht mehr, klagten Ihn an, verleugneten Ihn.

Und Jesus selbst? Was sagte er zu den Menschen, die bis zum Ende bei Ihm blieben? Sie wollten nicht, dass Er leiden muss. Sie wollten nicht, dass Er geht, dass Er von ihnen genommen wird. Aber Jesus selbst ließ sich auf gar nichts ein. Weder auf Aufschreie, noch Tränen. Er wusste, wer Er war. Eins mit Gott. Er vertraute Seinem Vater so sehr, dass nichts und niemand Ihn von Seinem Weg abbringen konnte. Keiner hat es verstanden, doch er tat es für alle.

Er wusste, dass Gott sich in der ganzen Situation verherrlichen wollte, um die Menschheit zur retten mit einem sichtbaren Zeichen voller Leid und Liebe.

Und Er hat es getan.

Am Kreuz.

Es hat einiges bewirkt. Es hat Großes bewirkt. Die Entstehung der Christenheit. Eine Massenbekehrung. Eine Sache, die sich wie ein Lauffeuer verbreitete. Die Errettung der Menschheit.

2.000 Jahre später ….

Wir haben kein Problem damit, uns zum Kreuz zu bekennen. Bekennen wir uns aber auch wirklich zu Jesus? Was passiert, wenn wir das in der Öffentlichkeit tun? Genau in dieser Öffentlichkeit, die schreit „Wir lassen uns das Kreuz nicht nehmen!“. Paradoxe Gedanken, oder?

Ich wünsche uns Mut, und die tiefe, spürbare Erkenntnis, dass das Kreuz wirklich verankert ist in unserem Herzen, auch wenn es nirgendwo hängt.

Wir sind gehalten, getragen und nie alleine. Auch wenn alles um uns zusammenbricht, zerfällt und schreit. Es war auch schon so vor 2.000 Jahren.

Es ist nicht nur Tradition. Es ist lebensverändernd.

Die Traditionen und die Art, wie wir unsere Feste feiern sind schön. Ich mag sie. Sie vermitteln mir ein Gefühl von Verbundenheit und Heimat.

Doch da ist noch viel, viel mehr …..