Diözesantag 2021 – Jüngerschaft – missionarisch Kirche sein

Patrick KnittelfelderGedanken zum Impuls von Patrick Knittelfelder
Die Vorgeschichte:
Der Diözesantag der CE im Erzbistum Paderborn muss in diesem Jahr wegen der aktuellen Corona-Situation Online ausgerichtet werden. Ein Diözesantag mittels Zoom zu organisieren löst bei den einen oder anderen Unbehagen aus.
Und das auch bei uns!
Geht das überhaupt?
Im Vorbereitungsteam der Diözese war dies auch eine wichtige Frage!
Wo bleibt denn da die Gemeinschaft?
Ein Referent der nicht vor der Versammlung steht? Haben wir noch nie gemacht!?
Doch angesichts der anlaufenden dritten Welle gibt es keine andere Möglichkeit! Die Werbung gestaltet sich schwierig. Es gibt wenig Anmeldungen; beim Veranstalter stellt sich langsam Unbehagen ein! Ist die Veranstaltung durchführbar oder hat es keinen Sinn? Schließlich gibt es doch eine erstaunliche Entwicklung: Nach einer Reihe von Telefonaten und einer zusätzlichen Werbekampagne auf deutschlandebene haben sich doch etwa 60 Teilnehmer angemeldet. Sehr ermutigend! Na dann geht los!

Der Tag:

Es beginnt mit den üblichen Schwierigkeiten bei der Einwahl in eine Zoom-Veranstaltung, doch als es eingerichtet, ist läuft alles gut. Nach einer kurzen Lobpreis Zeit – in ZOOM sind die Gebetszeiten eher komprimiert – startet unser Referent Patrick Knittelfelder, Leiter der H.O.M.E. MISSION BASE der Loretto Gemeinschaft in Salzburg, seinen Vortrag.

Das Thema ist Jüngerschaft und missionarisch Kirche sein! – Ist das heute überhaupt noch möglich?
Patrick beschreibt zunächst die Eckpfeiler der Jüngerschaft. Es handelt sich dabei nicht um die Investition in potentielle übermenschliche Helden, die „abgesondert“ oder besonders „berufen“ sind, sondern ganz schlicht und einfach um dich und mich, – eben von „Loosern“. Bezeichnend ist eine aktuell ganz andere Sicht auf den Begriff der Jüngerschaft: Jüngerschaft arbeitet nie an deinem Verhalten, sondern fokussiert immer deine Paradigmen, Denkweisen und Lehrsätze.
Wenn Menschen sich der Kirche oder dem christlichen Glauben zuwenden, hat es immer etwas mit Zugehörigkeit zu tun. Ein Teil von etwas zu sein ist das große Grundbedürfnis der Menschen.
Bisher ist in der christlichen Nachfolge das Prinzip „Behave – Believe – Belong“ ein gedachter Standard. Durch die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung der Moderne ist diese Ausrichtung allerdings dysfunktional. Wir benötigen einen Umdenkungsprozess, der dieses Prinzip völlig umkehrt zu: „Belong – Believe – Behave“. Das bedeutet, bevor du etwas glaubst und dein Verhalten ausrichtest, sei zunächst erst einmal Teil von etwas. Dies ist einer der Gründe, warum Gebetshäuser funktionieren: Die Zutrittsschwelle ist niedrig, es gibt wenige Regeln und ein hohes Maß an Freiheit. Das Beziehungsangebot steht im Vordergrund, nicht religiöse Lehrsätze oder Verhalten.
Besonders markant ist das Ergebnis einer Umfrage der Bild-Zeitung. Es wird festgestellt, das im deutschsprachigen Raum mehr 30 jährige als 60 jährige Menschen an die Auferstehung glauben, obwohl die jungen Menschen eher kirchendistanziert sind. Das Altersspektrum in der Kirche spiegelt nicht die Realität der „christlichen Grundidee“ in der Gesellschaft wider. Der Glaube an Jesus Christus ist also nicht grundsätzlich in unsere verfassten Kirchen verortet. Jüngerschaftspotential findet sich an vielen Orten unserer Gesellschaft und muss daher weiter gedacht werden.

Die Säulen moderner Jüngerschaft verbindet Patrick Knittelfelder darum inhaltlich mit dem Studium des Vaterherzen Gottes, kognitiv und emotionaler Durchbrüche in echten Kairos-Zeiten sowie der Basis grundlegender Selbstannahme und Identität. Durchbrüche werden durch die Wahrnehmung des Ansprache Gottes und einer tiefgreifenden Unterscheidung der Geister möglich. Schließlich mündet dieser Weg in die Erkenntnis, dass Jesus Christus König über mein Leben ist.
Nach der persönlichen Gotteserfahrung richtet sich der Blick auf Jüngerschaft und erst danach potentiell auf die Kirche. Wie sieht nun eine wachsende Kirche bzw. Gemeinde aus?

Ein Zitat von Rick Warren passt an dieser Stelle sehr gut: „Es ist unmöglich das Wachstum einer gesunden Kirche oder Gemeinde zu verhindern“. Dieser Satz mag sehr verstörend wirken, da er die Situation der Kirche im deutschsprachigen Raum radikal aufdeckt.
Und nun wird es noch radikaler: „Kirche ist ein fantastischer Ort an dem fantastische Menschen phantastische Dinge tun“.
Was brauchen wir:
1. Missionarische Jüngerschaft – anziehend, offen, inspirierend
2. Leadership – beziehungsorientiert, weit, maßgeblich
3. Tragfähige Strategien – aktuell, zielgerichtet, innovativ
4. Eine Vision, motivierende Ziele – motivierend, machbar, messbar
5. Einheit und der Vielfalt – systemübergreifend, kreativ, verbindlich
6. Gegenseitige Wertschätzung – ehrlich, umfassend, urteilsfrei
7. Alltagsrelevanz – praxisorientiert, lebbar, sinnvoll
8. Gutes Material – qualitativ, interessant, anregend

Kirche muss ein Ort der Heilung werden, an dem Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen eine Beheimatung finden können, wo Wertschätzung und Annahme in aller Unterschiedlichkeit vor theologischer Korrektheit steht.
Schließlich berichtet Patrick noch von der Arbeit der Home Mission Base in Salzburg. Sie betreibt sehr verschiedene Stränge in einer missionarischen Grundausrichtung. Dazu gehören Lebensgemeinschaften, die Jüngerschaftsschule HOME AKADEMIE, dem Café LA CANTINA, einem Gebetshaus sowie dem MEDIENHAUS und der DOMBUCHHANDLUNG in der Altstadt Salzburgs.
Der online Gottesdienst „SUNDAYMorning“ der HOME CHURCH hat mittlerweile eine Zuschaltung von etwa 1 Mio. Menschen erreicht. Schließlich gibt es eine sehr aktive Zusammenarbeit mit der örtlichen Kirchengemeinde.

Soweit meine persönlichen Anmerkungen zum Diözesantag! Genauere Inhalte sind auf der Homepage und in den Büchern „LIFESTYLE JÜNGERSCHFT“ und „GAMECHANGER“ von Patrick zu finden.

Werner Nolte