Bericht Gebetstag: COME TOGETHER

Come together  – ein überkonfessioneller Gebetstag

Paderborn, 5. September 2020

Ein Gebetstag, an dem rund 50 Personen im Exerzitienhaus Maria Immaculata zusammen kommen. Die allererste Veranstaltung nach dem langen Lockdown im Frühjahr, an dem die Krise besprochen, aber nicht zum alles beherrenden Thema wird!  Der Tag ist durch die CE im Bistum Paderborn, die GGE-Westfalen, und das noch junge Gebetshaus Paderborn organisiert. Bemerkenswert ist, dass Geschwister mit landeskirchlichem, katholischen und freikirchlichem Hintergrund kommen zusammen. Diese Vielfalt ergibt eine wohltuend bunte Mischung und alle Anwesenden sind in dem Wunsch verbunden geistliche Gemeinschaft zu erleben, miteinander zu beten  und Orientierung in aktuellen Fragen zu finden. Workshops am Nachmittag ermöglichen praktische Erfahrungen im Umgang mit Gebet für die Stadt, Übungen zu kreativen Elementen im Lobpreis und Prophetie.

Pfr. Swen Schönheit, Referent der GGE-Deutschland aus Berlin referiert zu den Überlegungen: „Krise als Chance- Zeit für Kurskorrekturen?“.

Um was geht es?

Die Krise ist ein Weckruf an die Welt, an Kirchen und Gemeinden, an jeden Einzelnen. Viele Menschen erleben eine Zeit der „Heimsuchung“ oder „Strafe“ Gottes und Fragen nach den Gründen des Geschehens. Häufig wird in Anbetracht dessen übersehen, dass über allem die liebenden Absichten unseres Vaters im Himmel stehen. Gott möchte die Aufmerksamkeit zurück erlangen und seine Ansprache ist in diesem Zusammenhang nicht „Strafe“ oder „Konsequenz“, sondern ein zurecht bringen oder sich neu orientieren. Das chinesische Zeichen für Krise beinhaltet zugleich die Begriffe „Gefahr“ und „Gelegenheit“. Sie ist demzufoge auch eine Chance auf etwas Neues oder einfach das Andere.

Aus diesen Zusammenhängen ergeben sich folgende Fragen: Erkennen die Christen die Zeichen der Zeit? Was ist die Lernerfahrung dieser Krise? Welche Prioritäten verändern sich?

Was bedeutet diese Situation für die Volkskirchen in Deutschland?

Sie leiden an einer Struktur-, Relevanz-, und Identitätskrise. Diese sich schon lange abzeichnenden Krisen werden durch die Folgen der Corona-Pandemie noch beschleunigt.

  1. Demografischer Abbruch
  2. Priester Mangel
  3. Gebäudeüberhang (Leerstand | Umnutzung | Übertragung)
  4. Größere „pastorale Räume“ (Verlust an Nähe = Kirche wird unpersönlicher)

Die Menschen verlieren zunehmend den Bezug zur Amtskirche. Die Glaube löst sich von den offiziellen Institutionen hin zu einer individuell geprägten Spiritualität.

Aber – jede Krise birgt die Chance zum Neuanfang, deshalb einige Fragen dazu:

  1. Können wir „hinter die Krise“ blicken und Gottes gute Pläne erahnen, in denen wir als Christen und Gemeinden eine entscheidende Rolle spielen sollen?
  2. Wie wird sich unserere Gesellschaft verändern und welche Rolle bzw. welches Gesicht muss dann Kirche haben?

Zitate dazu:

Paul M. Zulehner (Wien):

„Ich glaube, wir müssen weg von der Fantasie, dass wir die Kirche für die Leute sind und sie versorgen mit Gemeinden und Pfarrern. … Wir brauchen in der Kirche wieder entschiedene Christen, die sagen: ‚Wir sind Teil eines Anfangs!‘ Die Zeit der Expertenkirche geht zu Ende. Jetzt beginnt die Zeit der Laien!“

Joseph Kardinal Ratzinger (Salz der Erde, 1996):

„Die Kirche wird … andere Formen annehmen. Sie wird weniger mit den Großgesellschaften identisch sein, mehr Minderheitenkirche sein, in kleinen lebendigen Kreisen von wirklich Überzeugten und Glaubenden und daraus Handelnden leben. Aber gerade dadurch wird sie … wieder zum ‚Salz der Erde’ … In einer lebendigen Kirche werden sich ganz sicher neue Ausdrucksformen bilden. Diese Bewegung ist in vollem Gang.“

Wesentliche Faktoren für die Zukunft der Kirche:

  1. Hinwendung zu den Menschen – um des Evangeliums willen
  2. Weg von der „Versorgerkirche“ durch Profis, hin zu der Gemeinschaft mündiger Christen, die sich als Teil eines Neuanfangs begreifen.
  3. Kirche von „Haus zu Haus“ in Anlehnung an die Versammlung der ersten Christen in ihren eigenen Häusern.
  4. Rückkehr zu den Quellen des Heiligen Geistes  (Jeremia 2,13; Psalm 36,10; Matthäus 25,2; Johannes 15,5)

Anhaltendes Gebet und das Hören auf Gottes Reden im Wort und Alltag sind maßgebliche Aspekte um die Zeichen der Zeit in rechter Weise wahrzunehmen, zu deuten und alltagstauglich umzusetzen. Komm Heiliger Geist!!

Werner Nolte u. Silvia Jöhring-Langert

PS: Die Inhalte sind dem Vortrag von Swen Schönheit entnommen.