Eingeladen zu kommen, zu sehen und zu glauben

treppe

Unser Würzburger Bischof Franz Jung schreibt in einem Brief an die Seelsorger und alle Gläubigen: „Angesichts der bekannten Beschränkungen gilt es, neue und ungewohnte Wege zu gehen. Ziel muss sein, Formen zu finden, die es ermöglichen, dass die Osterbotschaft die Herzen der Menschen erreicht.“ Nachdem es uns in diesem Jahr aufgrund der bekannten Beschränkungen wegen Corona nicht gelingt, einen Oster-Rundbrief der CE Würzburg herauszugeben, soll diese Betrachtung zu Ostern 2020, eine Aussage sein worauf unser Glaube und unsere Hoffnung sich gründen und wie Bischof Franz meint, eine Form, die Osterbotschaft weiterzugeben.

Wenn ich den Liedtext betrachte: „Wir wollen alle fröhlich sein, in dieser österlichen Zeit“, so kann ich mir gut vorstellen, dass wir in dieser Zeit der notwendigen jedoch massiven persönlichen Einschränkungen nicht wirklich österlich froh gestimmt sein können. Wir vermissen in diesem Jahr an den Osterfeiertagen die Mut-machenden Gottesdienste, die Lieder und die Hallelujas. Unser Leben ist zurzeit einfach überschattet von der alles beeinträchtigenden Corona-Krise.

Geht es uns, wenn wir die täglichen Hiobsbotschaften hören vielleicht ein wenig ähnlich wie den Jüngern nach dem Tod Jesu: Wird es auch uns treffen, fragen sich die Jünger? Soll jetzt alles vorbei sein, und wie soll es weitergehen? Zu tief saß bei den Jüngern die Enttäuschung, dass Jesus, den sie als Messias erkannt hatten, und der beim Einzug in Jerusalem mit großem Hosianna begeistert begrüßt und kurz danach wie ein Verbrecher gekreuzigt wurde. Ihren Beruf hatten sie für ihn aufgegeben und nun standen sie vor dem NICHTS.

Nach seinem Tod, am ersten Tag der Woche, kommen die Frauen zum Grab. Ein Engel wälzt den Stein vom Grab und verkündet ihnen, dass Jesus auferstanden sei. Beim Evangelisten Johannes lesen wir, dass auch Petrus und Johannes zum Grab kommen, und nur das leere Grab vorfinden. Nicht nur, dass man ihnen den lebenden Jesus genommen hatte, – jetzt fehlte selbst sein Leichnam: der Leib, durch den seine Seele und sein Geist mächtig gewirkt hatten, wenn er zu den Menschen sprach, Kranke heilte, Dämonen austrieb und Tote auferweckte. Nur die Leinenbinden und das Schweißtuch waren zurückgeblieben.

Heute stehen auch wir mit Maria von Magdala, Petrus und Johannes vor dem leeren Grab. Aber: das leere Grab wird zum Ort einer neuen Erkenntnis und Offenbarung, für die drei und auch für uns. Beispielhaft wird das von Johannes berichtet, dem Jünger, den Jesus liebte. Er kam, sah – und glaubte. Das leere Grab und die Aussage: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden“, bedeuten: Jesus hat den Tod siegreich überwunden; den Glauben in Johannes macht das siegreich und stark. Diese Erfahrung schenkt uns Ostern für unser Leben. Auch wir sind eingeladen zu kommen, zu sehen und zu glauben.

Glauben heißt für uns: Festhalten an dem, was wir mit unseren Augen nicht sehen und mit unseren Ohren nicht hören, vielleicht aber mit den Augen und Ohren des Herzens erkennen: Gott sagt Ja zu unserem Leben! Gott liebt uns immer, auch wenn wir Dunkelheit und Leere, Ängste, Krankheit, Einsamkeit und Zeiten erleben, wie in diesen Wochen und Monaten, – wenn wir uns dem Bösen ohnmächtig ausgesetzt fühlen und schließlich dem Tod. Dann dürfen wir in Christus auferstehen.

Wir erleben auch Momente in unserem Leben, da rührt Gott unser Herz an. Wir erkennen, dass er da ist und möchten diese Augenblicke gerne festhalten. Doch dann schließt sich die unsichtbare Welt vor unserem inneren Auge und wir stehen wieder in der alten, bekannten und für uns real existierenden Welt. Doch, ER ist immer da, auch wenn für uns Nacht ist, wenn wir Nacht in uns haben, uns vergeblich mühen, wenn wir keinen Ausweg und vielleicht auch keinen Sinn in unserem Leben sehen. Wenn wir in der Bibel weiterlesen, dann erfahren wir, dass Jesus sich nach der Auferstehung den Jüngern immer wieder zeigt bis zu seiner Himmelfahrt, und auch mit ihnen zusammen isst, also real anwesend ist.

Ja, wo kommt Jesus heute auf uns zu – oder wir auf ihn? Wir sehen ihn nicht, wir erkennen ihn auch nicht leibhaftig unter uns. Das Entscheidende haben wir mit den Jüngern gemeinsam: Er wartet darauf, dass er bei uns sein kann, heute und jeden Tag. Er sieht die Nöte und Sorgen in unserem Alltag, unsere Niedergeschlagenheit und unsere Zweifel. Vertrauen wir uns ihm an, suchen wir das Gespräch mit ihm. Er hört uns immer. Wenn wir eine persönliche Beziehung mit dem Herrn pflegen, gewinnen wir ein Leben das uns Größe und Wert der Ewigkeit erahnen lässt und das auch nach dem Tod weitergeht. Daran ändert sich auch nichts, wenn wir ab und zu Gottes gute Absichten verfehlen und uns nicht entsprechend der Liebesbotschaft von Jesus Christus verhalten. Wer sich für Gott entscheidet, ist sein Kind, das er nie mehr loslassen wird.

Gott möchte uns, seine Kinder, so verändern, dass wir danach streben, Jesus immer ähnlicher zu werden. Wenn sich ein Mensch auf die Beziehung mit Gott einlässt ist oft von „Umkehr“ die Rede. Wir können uns allerdings nicht das Leben im Himmel durch gute Taten erkaufen. Am Ende ist es alleine die unendliche Gnade Gottes. Er wendet sich nicht von uns ab, auch wenn wir nicht perfekt sind. Denken wir daran: Jesus ist für uns sündige Menschen gestorben, – ER hat alle Schuld mit ans Kreuz genommen und wir sind erlöst durch seinen Tod.

Papst Franziskus sagte: „Jesus verwandelt unseren Tod in Auferstehung“. Das heißt für uns: Wir werden in Christus auferstehen. Oder wie es einem Lied von Lothar Kosse heißt: „Ich weiß, ich werde leben, weil du bist. Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“.

Mit seinem Tod hat Jesus Christus den Weg zu Gott freigemacht. Deshalb können und dürfen wir direkt mit Gott, direkt mit Jesus sprechen. Ich kann nur ermutigen mit ihm zu spechen, er wartet darauf, dass wir uns ihm öffnen und unsere Anliegen vor ihn bringen. Er antwortet, versuchen wir auf seine Stimme in uns zu hören. In der Bibel finden wir viele Stellen, wo er fragt: „Was willst du, dass ich dir tue?“  Das gilt für uns heute genauso. Sagen wir es ihm. Manchmal spricht er direkt zu uns, manchmal erkennen wir seine Hilfe, wenn uns ein Weg zu einer Lösung gezeigt wird. Dann ist das kein Zufall, sondern ER handelt. Vielleicht ist unsere Wunsch-Lösung nicht die Beste für uns. Vertrauen wir auf ihn. Er weiß besser, was schließlich für uns gut ist. Aber dass er, der Erlöser, uns auf diesem irdischen Weg führt und auch heute in unser Leben eingreift, das glaube ich ganz fest.

Indem Jesus den Tod und damit alles besiegte, was bei uns nicht im Sinne Gottes ist, machte er für uns Menschen den Weg zu Gott frei. Gott steht da, streckt seine Hand aus und wartet darauf, jeden einzelnen Menschen als sein Kind umarmen zu dürfen. Wer den Wunsch verspürt, sich in Gottes Arme zu begeben, muss nichts weiter tun, als auf seine geöffneten Arme zuzugehen. Dabei kann zum Beispiel das folgende Gebet helfen:

„Gott, ich wünsche mir nichts mehr, als an deiner Hand durchs Leben zu gehen und zu wissen, dass ich nie mehr alleine sein werde. Danke, dass du mein himmlischer Vater bist. Und Danke, dass du deinen Sohn Jesus Christus auf die Erde geschickt hast, um durch ihn den Weg zu dir freizumachen. Bitte komm in mein Leben und begleite mich in allen guten und schwierigeren Zeiten. Ich vertraue darauf, dass du nur das Beste für mich willst und mich deshalb liebevoll führst.“

Gott, der Sie, der Dich und mich geschaffen hat, liebt uns von ganzem Herzen. Er lässt zwar jedem Menschen die Wahl, ob er ein Leben mit oder ohne seine Hilfe leben möchte. Doch jeden von uns als Kind in seine Arme zu nehmen, freut Gott unglaublich. Er ist bereit alles für uns zu geben und uns nie mehr loszulassen. Dafür ist Jesus gestorben – und auferstanden. Für ihn sind nicht unser Können und unsere Leistung entscheidend – was Gott interessiert, ist ganz allein das Herz. Entscheiden wir uns immer wieder von Neuem für ihn. Wie gut dies ist, das durften wir an vielen Menschen und auch ich selbst erfahren.

Die fünfzig Tage bis Pfingsten sind eine geschenkte Zeit, um den Osterglauben und das Gott-Vertrauen wieder ganz bewusst in uns aufzunehmen. Bitten wir unseren Herrn Jesus Christus, dass wir Ihn als den Auferstandenen und Erlöser wahrnehmen dürfen.

Er lädt uns ein, zu kommen, zu sehen und zu glauben!

Nehmen wir seine Einladung an. Er wird uns auch durch diese derzeit schwierige Zeit führen.

So wünsche ich uns allen Vertrauen und Zuversicht in IHN, – er ist das Heil der Welt.

Seid gesegnet in Christus dem Auferstandenen.


Manfred Aulbach