Gebet in der Corona-Zeit

Ungewissheit trübt unsere Zukunft
und verschleiert unseren Weg,
der gepflastert ist mit Prüfungen
und jeden Tag unsere Kräfte fordert.
Wir sehnen uns nach Nähe,
nach Zuflucht und Geborgenheit.
Wo bleiben die Umarmungen,
die Küsse und die frohen Münder,
die sich zu einem Lächeln gen Himmel neigen?
Wir meiden Fremde,
die uns nur noch fremder werden.
Wir meiden Freunde, Familie,
nach deren Gesellschaft wir uns verzehren.
Doch zwischen all den Entbehrungen
glimmt stets ein Licht der Hoffnung,
das wir nicht aufgeben wollen.
Wir richten unseren Blick auf dich, fragend, bittend, flehend.
Wie lange mag diese Zeit noch andauern?
Doch was auch immer kommen mag,
mach uns stark für jeden Tag
und die Aufgaben, die er bringt.
Mach unser Herz weich für jeden Fremden,
den wir nicht mehr als Bruder oder Schwester erkennen.
Gib uns die Ausdauer einer Gazelle
und die Leichtigkeit einer Schwalbe im Flug,
damit wir diese Herausforderung meistern.
Mach unsere Augen scharf und wach, wie die eines Falken,
damit wir dankbar auf das blicken können, das wir haben:
Die Kleidung an unserem Leib.
Das Essen auf unserem Tisch.
Die Sonne auf unserer Haut
und der Wind in unseren Haaren.
Die sanfte Stimme einer Freundin, eines Freundes.
Und gib uns die Gewissheit, dass dies nur eine Welle ist
auf dem Meer des Lebens,
das uns mal in schwindelnde Höhen hinaufträgt
und mal auf seinen Grund zu ziehen droht.
So tragen wir das Licht der Zuversicht weiter, Tag für Tag.
Bis wir das Leuchtfeuer der Freiheit und der Freude erreichen
und gemeinsam mit seinen Funken unseren Jubel in den Himmel
tragen lassen.

Esther Emmerich