Das Wagnis, auf Gott zu vertrauen

Ein Zeugnis von Ingrid und Michael M., vorgetragen in einem Lobpreisgottesdienst 2008 in Neuhof

Michael: Wir möchten Euch ein Erlebnis erzählen. Wir fahren seit länger als 12 Jahren nach Kroatien in der Urlaub und verbinden das mit einem Aufenthalt in dem Wallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina.
Wir kamen am 22.09.08 etwa 12.00 Uhr in Kroatien, Brela an unserem Urlaubsort an. Wir hatten unser Auto mit Hilfsgütern beladen. Wir planten, die Sachen am nächsten Tag dorthin zu fahren und wie jedes Jahr in der Stadt Chaplijna im Flüchtlingslager abzugeben. Es leben dort heute noch 120 kroatische Christen, die nicht mehr in ihre Häuser zurückkönnen, da diese entweder zerstört oder zum Teil von anderen Menschen bewohnt sind. Es herrscht hohe Arbeitslosigkeit und sie finden nur Gelegenheitsarbeiten.
In der Nacht hatte ich einen Traum: Jemand schrie ganz laut und grässlich meinen Namen. Ich wachte auf, konnte nicht mehr einschlafen und überlegte, was das zu bedeuten hatte, ob es ein Zeichen ist, ob uns Böses erwartet. Ich fing gleich an, Hilfe im Gebet zu suchen.

Wir fuhren dann am Morgen nach dem Frühstück. Wir wollten zuerst nach Medjugorje fahren, um in die Kirche zur Deutschen Messe zu gehen. Ich erzöhlte Ingrid von meinem Traum. Daraufhin erzählte sie mir, dass sie auch einen Traum hatte: Sie träumte, wir hatten einen schweren Unfall. Unser Auto war total zertrümmert.
Wir fingen an zu beten, um alles unserem Gott zu übergeben. Gewöhnlich beten wir erst frei und dann Rosenkranz. Wir kamen zum Ergebnis, dass uns eine böse Macht einschüchtern und aufhalten wollte. Ich sagte mir, dass ich noch vorsichtiger als sonst fahren sollte, denn es hatte in den Bergen geregnet. Die Straßen sind dann sehr glatt. Die Träume, die uns eigentlich hätten Angst machen sollen, haben das Gegenteil erreicht: Wir haben mehr als sonst gebetet und wurden sehr ruhig und gefasst.
An der Grenze machte uns der Grenzbeamte Probleme. Er fragte nach Papieren für unsere Sachen. Wir hatten in den letzten 12 Jahren nie Papiere für unsere Geschenke gehabt. Ich sagte ihm: Es sind Geschenke. Er sagte nur: Das geht so nicht. Und ich musste die Säcke öffnen. Er sah nach dem Inhalt und fing immer wieder damit an, das sei ein Problem. Er kann uns so nicht passieren lassen. Ich sagte, die Sachen sind für Chaplijena für das Flüchtlingslager bestimmt.
Er stellte mit eine Frage, mit dem Erfolg, dass ich meinen Geldbeutel öffnen musste, um ein Visitenkörtchen zu suchen. Dabei sah der Beamte meine Geldscheine und ich hatte den Eindruck, dass er am liebsten Geld nehmen würde. Es wurde uns immer wieder gesagt, dass die Beamten bestechlich sind.
Ich sagte nun: Herr Jesus, er bekommt von mir keinen roten Cent. Es ist Deine Sache. Erweiche bitte sein Herz.
Es dauerte nur noch kurze Zeit, dann sagte der Grenzbeamte, wir können weiterfahren.

Ingrid: Wir fuhren nach Medugorje und gingen in die Deutsche Messe. Es ist etwas ganz Besonderes dort zu sein. Danach fuhren wir nach Chaplijna. Vor dem Ort standen wir noch wegen Vollsperrung der Straße wegen eines Verkehrsunfalls fast eine Stunde im Stau und befürchteten, dass unser Termin noch platzen könnte. Über Nebenstraßen erreichten wir dann unser Ziel.
Im Lager angekommen, trafen wir Zdenka unsere Übersetzerin. Sie hat während des Krieges in Deutschland gearbeitet und hat uns schon letztes Jahr übersetzt. Wir erfuhren von ihr, dass die alte Lagerleiterin Ivanka vor fast einem Jahr gestorben war. Wir hatten Ivanka sehr gerne. Sie setzte sich sehr für ihre Leute ein. Ihren Tod bedauerten wir sehr.
Zdenka, die Übersetzerin, machte uns mit der neuen Lagerleiterin bekannt und klärte uns gleich über die Korruptionsgefahr der neuen Lagerleiterin auf. Wir erfuhren von einer großen Geldspende, die sie für sich behalten hat. Sie sagte uns, wir sollten mit unserer angedachten Geldspende besser Lebensmittel einkaufen, das Geld also nicht der Leiterin geben. Wir fuhren also mit Zdenka in einen Lebensmittelmarkt, um einzukaufen.
Als wir zurückkamen sagte Zdenka, wir sollten die Lebensmittel gleich verteilen.
Die Leiterin war nämlich in der Zwischenzeit weggefahren und hatte vorher angeordnet, dass wir die Lebensmittel in einem Lagerraum deponieren sollten.
Das hielt die Übersetzerin und die anderen Lagerfrauen aber für zu riskant, da es keine Gewähr geben würde, dass die Leute auch die Sachen erhalten würden.
So teilten wir aus: Milch, Zucker, Käse und Streichwurst, obwohl wir Probleme mit der Leiterin befürchteten.
Zwischendurch wurde ich von verschiedenen Frauen gebeten zu helfen, viele sind krank.
Man steckte mir Zettel mit Namen zu und gab mir kleine Geschenke, gestrickte Sachen und einen Rosenkranz. Sie drückten und küssten mich.
Ein Mann kam zu mir und erzählte mir in gebrochenem Deutsch, dass seine Frau sehr krank sei. Sie hat einen Tumor und leidet an psychischen Problemen. Auch der Sohn ist krank. Sie haben aber kein Geld, um ins Krankenhaus zu gehen. Im Gegenteil, man kündigte ihnen an, den Strom abzustellen, da sie kein Geld haben. Es war für uns klar: Das bedeutet für diese Frau das Todesurteil. Ich fragte den Mann, ob er glaubt, dass Jesus seine Frau heilen kann. Er sah mich an und war überrascht.
Ich sagte ihm, dass wir seiner Familie kein Geld geben können, wir würden aber gerne für seine Frau beten. Wir waren uns ganz sicher, dass Jesus den Menschen helfen wird, wenn wir für sie beten.
Ich ging zu Michael, der noch beim Verteilen der Lebensmittel war.

Michael: Ingrid sagte mir ganz aufgewühlt: wir müssen einen Gebetsdienst einrichten. Ich dachte das wäre bestimmt gut, lässt sich aber nicht so ohne weiteres realisieren, da uns die Lagerleiterin bestimmt bald raus schmeißt, wenn sie zurückkommt.
Ich bin dann später mit Ingrid und Zdenka zur Wellblechbaracke des Mannes mitgegangen. Es war äußerst beengt darin. Ich schob den Tisch weg, um an das Krankenlager der Frau zu gelangen.
Sie konnte nicht aufstehen und hatte ein schmerzverzerrtes Gesicht.
Ich fragte sie ob sie an Jesus glauben würde, und daran, dass er der Sohn Gottes sei, was sie mir bejahte. Ich fing an für sie zu beten. Jeder Satz wurde von Zdenka übersetzt. Wir waren alle sehr gerührt. Ingrid betete nach mir und sagte anschließend zu der Frau, dass sie jetzt aufstehen könne, was sie auch tat. Sie war so gerührt, dass sie intensiv Tränen vergoss, die Umstehenden auch.
Wir übergaben die ganze Situation Jesus und gingen dann im festen Glauben, dass er hier auf irgendeine Art Hilfe und Heilung schenken würde, wieder weg.
Vor unserem Abschied betete die ganze Lagerbesatzung für uns ein Vaterunser und ein Gegrüßt seist du Maria. Wir waren sehr gerührt.
Wir fuhren Zdenka nach Hause und sie lud uns zum Kaffe ein. Wir sahen, wie spartanisch sie mit ihrem Mann lebte, teilweise im Rohbau.
Im Gespräch erfuhren wir etwas Bedauerliches: Dass ein bisheriger Mittelsmann, dem wir in der Vergangenheit Spenden anvertraut hatten, sie wahrscheinlich unterschlagen hat.
Sie erzählte uns auch, dass sie einen vereiterten Kiefer hat, der im Krankenhaus operiert werden müsste. Das hat sie abgelehnt, da sie dafür kein Geld hat.
Wir beteten für sie und verabschiedeten uns dann von ihr.
Wir wollten ursprünglich wieder nach Medjugorje fahren, um an dem Gnadenort noch etwas aufzutanken. Das war aber nach dem, was wir erlebt hatten, nicht angesagt, denn wir mussten das Erlebte erst mal verarbeiten. Wir waren doch sehr aufgewühlt.

Ingrid: Als wir uns drei Wochen später nach unserem Urlaub bei Zdenka meldeten, erzählte sie uns, dass das Gebet geholfen hat. Ihr vereiterter Kiefer sei ohne Krankenhausaufenthalt relativ schnell geheilt. Die krebskranke Frau, für die wir gebetet haben, ist seit dieser Zeit schmerzfrei.
Wir hätten gerne einen Bestätigung eines Arztes gehabt, aber dafür haben die Betroffenen kein Geld.
Wir haben erfahren, dass Gott Gebete erhört, dass wir uns auf ihn verlassen können und dass er uns gebrauchen kann.
Wir sind auch dankbar dafür, das uns der Hl. Geist geführt hat: dass er uns die Idee gab, auf Träume, die uns Angst machten, mit Gebet zu antworten. So waren wir auf Schwierigkeiten gut vorbereitet und Gott hat uns gut durchgeführt.

Michael und Ingrid

 
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