Der Glaube kommt vom Hören – Fragen an Pfarrer Leo Tanner

tannerleoSeit 1987 entwickelt und leitet der Schweizer Pfarrer Leo Tanner Glaubenskurse. Daraus entstanden sind die «Bibelgruppen Immanuel», deren geistlicher Begleiter er zur Zeit ist. Geprägt von einem einfachen Elternhaus und von beglückenden Erfahrungen der Liebe Gottes legt er in einfacher Sprache, verständlich und lebensnah den christlichen Glauben dar. Nun hat er einen Webseite aufgebaut, für Menschen, die auf der Suche nach dem Glauben sind. Gott persönlich kennen zu lernen und in der Freundschaft mit ihm zu wachsen, dem möchte diese Webseite (leotanner.ch) dienen.

Weshalb haben Sie eine Homepage zum Thema - Der Glaube kommt vom Hören – aufgebaut?

Bei der Hochzeit meines Patenkindes – wenn man einen Mann noch „Kind" nennen darf – habe ich bei der Predigt auf das Geschenk der Freundschaft Gottes hingewiesen und dargelegt, wie Gottes Freundschaft das persönliche Leben und alle menschlichen Freundschaften bereichert. Nach dem Gottesdienst kamen viele auf mich zu und sprachen mit mir über Gott. Viele von ihnen waren aus der Kirche ausgetreten. Es wurde mir konkret die Frage gestellt, wie sie Gott persönlich kennenlernen könnten... Da merkte ich, dass Bücher allein nicht ausreichen: Die Botschaft muss gehört werden können und wenn es da eine Homepage gäbe, wo am anonym einfach mal ein wenig in die Welt des Glaubens und der Freundschaft Gottes hineinschauen zu könnte, das wäre hilfreich...

Weiter hat mich Papst Benedikt XVI. mit dem Apostolischen Schreiben „Tür des Glaubens" ermutigt: „Die Liebe Christi ist es, die unsere Herzen erfüllt und uns dazu drängt, das Evangelium zu verkünden. Heute wie damals sendet er uns auf die Straßen der Welt, um sein Evangelium allen Völkern der Erde bekanntzumachen..." (Porta fidei 7). Wir sind auf die Strassen der Welt gesandt, d. h.: wir sollen dorthin gehen, wo die Menschen heute sind. Und wo sind sie anzutreffen? Weitgehend – vor allem Jüngere - im Netz. Viele Menschen kommen heute nicht mehr in die Kirche und auch nicht mehr in Pfarrgemeinderäume. Aber so ganz für sich allein einen Vortrag auf einer Homepage für sich anzuhören als Video anzusehen, dazu braucht es kaum eine grosse Überwindung.

Für wen ist diese Webseite: „Der Glaube kommt vom Hören" gedacht?

Menschen, die Gott kennen lernen, im Glauben wachsen und die Inhalte des Glaubens besser verstehen möchten, finden hier vielfältige Hilfen und Anregungen. Mir bestätigen immer wieder Menschen, dass sie froh sind, einfach und verständlich Informationen zu Glaubensfragen zu erhalten und dass sie durch die Vorträge geistliche Nahrung und Ermutigung erhalten.

Können Sie solche Themen, die sich auf der Webseite befinden, erwähnen?

Sie finden folgende Glaubenskurse (als Audiovorträge oder /und Video) vollständig: Komm und sieh – den christlichen Glauben neu entdecken, dann Vater unser – Leben im Reich Gottes, Brennpunkt der Liebe – die Eucharistie verstehen und leben, Alpha-Kurs für katholische Christen, weiter Christus in der Kirche, wo auch die Sakramente behandelt werden sowie Evangelisieren ja – aber wie?

Dazu einzelne aktuelle Themen wie Christentum und Islam, Reinkarnation und Auferstehung, wie heilt Gott heute?, Fragen zur Esoterik und dann auch biblische Themen wie z. B. das Buch Josua. All das kann man anhören, gratis herunterladen und auch weitergeben.

Wie kann ihre Evangelisierungshomepage suchenden Menschen dienen?

Eltern, Grosseltern, Freunde, ... können ihre Kinder, Grosskinder, Kollegen, ... die nicht mehr in die Kirche gehen und auch nicht zu einer kirchlichen Veranstaltung mitkommen, hier auf eine Möglichkeit hinweisen, wie sie unverbindlich den christlichen Glauben kennen lernen können.

Viele sind auch überfordert, Anderen bestimmte Fragen des Glaubens und auch der Lehre der Kirche mit einfachen Worten zu beantworten. Hier kann auf einen passenden Vortrag auf der Webseite hingewiesen werden: „Schau oder hör dir mal das an, dann reden wir darüber." So hat mir ein junger Mann viele kritische Fragen über Maria gestellt. Ich habe dann ihm dann gesagt: Er soll auf aus dem Glaubenskurs Christus in der Kirche den 7. Vortrag zum Thema: Maria im Heilsplan Gottes anhören. Nachher hatte er keine Fragen mehr.

Sie sind schon mehr als 33 Jahre in der Pastoral tätig. Haben Sie Impulse für eine evangelisierende Pastoral?

Die Zeit, wo durch Volksmissionen und Ähnliches grosse Menschenmassen angesprochen werden können, ist vorbei. Der Mensch ist viel individualistischer geworden – auch in der Sinnsuche. Was machen wir in der Seelsorge, wenn wir in Kontakt kommen mit Menschen, bei denen die Sinnfrage aufgebrochen ist? Wenn solche Menschen seit Jahr(zehnt)en keinen Bezug mehr zum Gottesdienst haben, kann man sie nicht einfach in einen Gottesdienst einladen. Und wenn wir sagen, dass wir in zwei Jahren ein Glaubensprojekt haben, dann sind sie in der Zwischenzeit längst woanders „fündig" geworden. Solche Menschen brauchen „jetzt" (in unmittelbarer zeitlicher Nähe) ein Angebot; einen Einführungsweg in den Glauben.

Meine pastorale Vision besteht nun darin, mitzuhelfen, dass in unseren Pfarrgemeinden (Seelsorgeverbänden) Laienteams entstehen, welche die entsprechenden geistliche Erfahrung mitbringen, um mit 3-? Personen – in Einheit mit dem verantwortlichen Seelsorger – regelmässig für die „jetzt" offenen Menschen einen Glaubensweg vor Ort durchführen. Dazu können auch die DVDs der Glaubenskurse, die auch von Priestern benutzt werden, ein gutes Hilfsmittel sein.

Was braucht die Kirche heute, damit die Neu-Evangelisierung Früchte trägt?

Dazu möchte ich drei Punkte erwähnen:

Erstens: Zuerst braucht es einen Bewusstheitswandel in unserem Denken: In den letzten 40-50 Jahren waren wir grösstenteils eine einheitlich christliche Gesellschaft. In einer solchen Kultur konnte der Glauben über die Erziehung weitergegeben werden. Seither hat sich die Gesellschaft weitgehend von Christentum und der Kirche losgelöst. In der Schweiz hat sich z. b. in den letzten 10 Jahren die Zahl der Konfessionslosen von 10% auf 20% verdoppelt. Und von denjenigen, die noch offiziell zur Kirche gehören, nehmen gemäss Umfragen in der Schweiz an einem normalen Sonntag noch 4 % der Katholiken am Gottesdienst teil.
Da braucht es neue Wege der Glaubensweitergabe – doch, wo werden wir in unseren theologischen Ausbildungsstätten gelehrt, wie Evangelisieren ganz praktisch vor sich geht? Ich denke, dass hier ganz notwendige Reformschritte anstehen, damit wir unserer heutigen Missionssituation gerechter werden können.

Zweitens: Paulus schreibt: Jesus Christus gab „den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi" (Eph 4,11-12). Mit den Heiligen sind alle gemeint. Das heisst: Laienapostolat – die Laien befähigen das Evangelium weiter zu geben!
Wir kommen mehr und mehr in eine Zeit, wo – wie in den ersten christlichen Jahrhunderten – das Evangelium in den Häusern weitergegen wird. Denn immer weniger Menschen wagen überhaupt noch den Schritt in unsere Pfarrgemeinderäume, doch zuhause bei einem Freund, einer Kollegin – das sind erste Schritte möglich. Das sind wir gerade am Ausprobieren: So führen bei uns in dieser Fasten- und Osterzeit über 30 Laienteams den Glaubenskurs Komm und sieh – den christlichen Glauben neu entdecken selbst mittels den DVDs – selbst durch.

Und drittens braucht es Begeisterung! Erst, wer Feuer gefangen hat, kann andere entzünden. Nur Begeisterte können begeistern. Und genau daran fehlt es weitgehend. Ein Grund dafür ist, dass viele das Herzstück des Glaubens nicht erfahren haben, das - wie auch Papst Benedikt XVI. immer wieder sagte - in der persönlichen Erfahrung der Christusfreundschaft besteht! Auch Papst Franziskus hat die zentrale Bedeutung der Beziehung zu Jesus Christus schon mehrmals erwähnt. Ohne die Erfahrung dieser grossen Liebe und ohne das tägliche Verbundenheit im Gebet mit Jesus Christus, kann Christsein nicht mit Freude und Begeisterung gelebt werden.

 

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