Einkehrtag 2020

Ein Tag in Jesu liebendem Arm

Leben von innen nach außen. Jünger sein – voll Freude und erfüllt vom Heiligen Geist (Apg 13, 52)“. So lautete das Thema des Einkehrtages, den die CE Eichstätt am 26. September 2020 in Neumarkt i.d.Opf. veranstaltet hatte. Ein Wagnis, gewiss, angesichts der Corona-Krise. Leider mussten wir die Teilnehmerzahl beschränken, sodass sich 32 Brüder und Schwestern im Pfarrsaal von Hl. Kreuz versammeln konnten. Es war ein gesegneter Tag; die Leute waren nach Lockdown und sozialer Distanz ausgehungert. Trotz Sicherheitsabstand und Maskenpflicht kamen wir uns geistlich herzlich nahe. Der Referent P. Ernst Sievers – „das ist heuer mein erster Einsatz“ – strahlte solche Lebendigkeit und Liebe aus, dass jeder der Teilnehmer förmlich aufatmete. „Ein ganz einfühlsamer Priester“, versicherte mir eine Teilnehmerin einen Tag später, „und lauter normale Leute, kein abgehobener.“

Es ging um Jüngerschaft. Ein Jünger Jesu ist nicht abgehoben sondern steht mit beiden Füßen fest auf dem Erdboden – und ruht in den Armen Jesu wie der Lieblingsjünger beim Abendmahl.

Vier Schritte des Kennenlernens und der Annäherung an Jesus beschrieb P. Sievers, vergleichbar mit der Entwicklung der ehelichen Beziehung: 1. Erste Begegnung. Wann und wie bin ich selber Jesus zum ersten Mal begegnet? 2. Erneute Begegnung. 3. Freund Jesu werden. 4. Intimität mit Jesus.

Der zweite Vortrag befasste sich mit den schönen und schwierigen Seiten dieser Beziehung. Die schöne Seite: Jesus liebt uns mit und trotz unserer Schwachheit und Begrenztheit. Die schwierige Seite: Wir müssen auch unser Kreuz auf uns nehmen. Mühsal, Scheitern und Frustration gehören zum Jünger-Sein ebenso wie Hochgefühle und Gelingen. Jede Kreuzerfahrung ist ein Ereignis, durch das uns Jesus noch näher zu sich zieht.

Angenehm wurde die Struktur der Einheiten empfunden. Nach jedem Vortrag hatten wir je eine halbe Stunde Zeit, alleine über das Gehörte nachzudenken (P. Sievers stellte uns dankenswerterweise die Skripten zur Verfügung, auch zum Nacharbeiten in den Gebetskreisen) und uns in Kleingruppen auszutauschen. Die anschließende Eucharistiefeier in der Kirche Hl. Kreuz stellte den Schritt nach außen dar. In jeder Eucharistiefeier erhalten wir Weisung und werden gesendet.

Jüngerschaft beginnt innen in der persönlichen Beziehung zu Jesus und sie richtet sich nach außen zu den Menschen. Wir sind aufgerufen, Jünger zu sein und Jünger zu „machen“ in aller Demut und Liebe. Wir sollen Menschen einladen in diese liebevolle Beziehung, indem wir die Liebe, die Jesus uns schenkt weitergeben an andere.

Am Ende betete P. Sievers für uns um eine neue Ausgießung des Heiligen Geistes.

Zum Abschluss meines Berichtes ein Zitat aus den Vorträgen, das hoffentlich auch viele Verantwortliche der Kirche lesen: „Dass unsere Kirche den Gedanken der Jüngerschaft vor allem der Nicht-Ordensleute, also der Laien, verheiratet oder single, praktisch vergessen hat mit der Überzeugung, das gilt heute nicht mehr, das war für damals vor 2000 Jahren, das ist eine echte Katastrophe. Es ist diese Blindheit, die es heute dringend zu korrigieren gilt.“

 

Adelheid Bieberich