Zeugnis: Wie ich zum Glauben kam

Einige Wochen drohte dieses völlig unerwartet aufgetretene Glaubensinteresse in mir zu verkümmern, ehe ich durch die Wahl unseres heutigen Papstes, dessen Wahlverkündigung ich live am Fernsehen mitverfolgen durfte, neu für die katholische Kirche euphorisiert wurde. Von nun an ging ich Sonntag für Sonntag in den evangelischen Gottesdienst, da mir der Schritt in die katholische Kirche, die immer wieder von Anfeindungen aus meinem privaten Umfeld heimgesucht wurde, als unmöglich erschien. Schließlich wollte ich nicht den Frieden in meiner Familie aufs Spiel setzen.

 

Doch dann begann der Weltjugendtag in Köln, welchen ich mit noch größerer Begeisterung verfolgte als die beiden vorangegangenen Ereignisse. Mehr und mehr begriff ich, dass diese höchst faszinierende Kirche keine rein menschliche Institution sein konnte. Beim Weltjugendtag offenbarte sich mir ihre ganze Schönheit, Würde und von den Gläubigen getragene Fröhlichkeit. Diese unglaubliche Glaubens­freude konnte ich, abermals am Fernsehen, unserem Heiligen Vater und den tausenden Jugendlichen im Gesicht ablesen. Von nun an besuchte ich regelmäßig die heilige Messe und fühlte, dass in der Eucharistiefeier etwas unbeschreiblich Großes und Wunderbares, was ich persönlich in den evangelischen Gottesdiensten nicht vorfinden konnte, geschah. So dauerte es nicht lange und ich begann, mich auf meine Taufe vorzubereiten.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich in dieser Zeit nicht vom Glauben an Jesus Christus, sondern von einer Euphorie- und Faszinationswelle über alles, was mit der katholischen Kirche zu tun hatte, getragen wurde. Folglich kam ich in den nächsten Monaten in eine schwere, von ständigen Glaubenszweifeln begleitete Sinnkrise und drohte den eingeschlagen Weg aufgrund meiner großen inneren Zerrissenheit wieder zu verlassen. In dieser Zeit sandte mir der Herr wunderbare Menschen (Gebetskreis), die mich durch ihren beeindruckend starken Glauben und auch ihr Gebet ein großes Stück meiner Wegstrecke trugen und mir stets zur Seite standen. Trotzdem durchschritt ich bis zu meiner Taufe, Firmung und Erstkommunion in der Osternacht 2006 eine Zeit der Ungewissheit und des ständig drohenden Rückfalls in ein dunkles, sinnloses und verlorenes atheistisches Leben.

Doch dann erlebte ich in der Osterliturgie 2006 ein wirkliches Wunder. Gott offenbarte mir seine große Liebe und Barmherzigkeit, nach dem ich das erste Mal das Fleisch und das Blut unseres Herrn Jesus Christus empfangen hatte. Ich spürte, wie sich nach meiner ersten hl. Kommunion alle Zweifel und Ängste in mir in unerschütterlichen Glauben und ein Gefühl unendlicher Glückseligkeit verwandelten. Aller Unglaube fiel von mir ab und ich wurde auf wunderbare Weise vom einen zum anderen Moment in einen Christen fernab jeden Glaubenszweifels verwandelt. Von nun an wurde mir die unendliche Liebe Jesu einige Monate in jeder heiligen Kommunion in besonderer, leiblich wirklich spürbarer Weise zuteil. Alle organischen Bereiche in meinem Körper, die der Leib des Herrn nach der Kommunion berührte, wurden von einem unbeschreiblichen Gefühl der Wärme erfasst. So offenbarte mir der Herr einige Monate hindurch das Wunder seiner Realpräsenz in der heiligen Eucharistie und stärkte meinen Glauben jedes Mal in unbeschreiblicher Weise aufs Neue.

Mein Leben hat sich seit meiner Bekehrung vollkommen geändert. Es hat durch das gnadenvolle Wirken Gottes einen tiefen Sinn bekommen und wird von der Hoffnung auf das ewige Leben in der Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater getragen. Meine Liebe zu Gott und meine Freude am Glauben führen sogar so weit, dass ich im Moment gewillt bin, Christus und der Kirche als Priester zu dienen, auch wenn der Weg zu dieser Entscheidung lang, steinig und nicht konfliktfrei sein wird.

Es gibt nichts Schöneres, als sich von Jesus führen zu lassen!

Andreas Leupold

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