Fastenzeit: Macht Klarschiff mit Gott

„Die Zeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt nennen wir Fastenzeit. Eigentlich heißt sie österliche Bußzeit. Sie will uns auf Ostern vorbereiten, auf das Fest der Auferstehung Jesu Christi, das unserem Leben Sinn und Hoffnung schenkt. Wir nehmen also Gott neu in den Blick und bekräftigen unsere Beziehung zu ihm. Aber – wie das so ist – wir alle erleben auch immer wieder im persönlichen Leben, in der Kirche und in der Gesellschaft wie Gott vergessen wird. Wie wir Menschen ohne ihn leben und scheinbar auch ganz gut zurechtkommen“ – so Pfr. Josef Fleddermann in seiner Predigt zum Aschermittwoch. Und weiter sagt er in seiner Predigt:

Dann gibt es Ereignisse, die uns wieder wachrütteln können, die uns verhelfen können, neu unsere Gottesbeziehung zu suchen. Es können schöne Erlebnisse sein. Aber meistens, so scheint es mir, sind es schwierige Ereignisse. „Not lehrt beten.“ Dieses Sprichwort macht es uns auch deutlich.

Zur Zeit des Propheten Joel herrschte eine große Heuschreckenplage. Der Prophet Joel erkennt darin das Gericht Gottes und erwartet ein noch größeres Strafgericht. Gottes Absicht jedoch ist es letztlich, sein Volk zu retten und es nicht ins Verderben stürzen zu lassen. Wollen die Menschen Gott noch? Wollen sie ihm vertrauen? Bauen sie noch auf seine Hilfe? Oder leben sie weiter vor sich hin wie bisher und laufen geradeaus ins Verderben?

Joel ruft die Menschen zur Buße, zur Umkehr auf (Joel 2,12-18): „Zeigt Gott, dass Ihr es ernst meint!“ „Zeigt eure Umkehrbereitschaft!“ Und das nicht nur äußerlich, sondern innerlich. Wohl deswegen ruft Joel die Menschen im Namen Gottes auf: „Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen! Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott.“

In den äußeren Ereignissen einen Anruf Gottes erkennen! Haben die Menschen der modernen Welt, das verlernt?

Ohne die Heuschreckenplage jetzt eins zu eins mit der Corona-Pandemie vergleichen zu wollen. Aber steckt in der jetzigen Situation nicht dennoch auch der Aufruf „Kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ Ganz gleich, ob Gott nun diese Pandemie geschickt hat – wie manche denken – oder ob er gar nichts damit zu  tun hat –  wie andere denken; ein Aufruf zum Wachwerden ist die Situation allemal. Woraus leben wir? Worauf setzen wir letztlich unser Vertrauen? Geben wir Gott eigentlich wirklich noch die Ehre, oder haben wir ihn verzweckt für unsere persönlichen Interessen und Wünsche. Ist er lediglich ein Spielkamerad geworden, mit dem wir nur dann spielen, wenn wir es wollen?

Die ganze Gemeinde soll umkehren und Buße tun, heißt es im Buch Joel:

„Auf dem Zion stoßt in das Horn, ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen Gottesdienst aus! Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde! Versammelt die Alten, holt die Kinder zusammen, auch die Säuglinge!
Der Bräutigam verlasse seine Kammer und die Braut ihr Gemach. Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester klagen, die Diener des Herrn sollen sprechen: Hab Mitleid, Herr, mit deinem Volk
und überlass dein Erbe nicht der Schande, damit die Völker nicht über uns spotten! Warum soll man bei den Völkern sagen: Wo ist denn ihr Gott?“

Das Unheil wird abgewandt im Buch Joel und verknüpft mit der Verheißung des Geistes, der sich auf alle ausgießen wird.

Auch in der Lesung aus dem 2. Korintherbrief (5,20-6,2) geht es um unsere Beziehung mit Gott. Paulus ist ganz eindringlich mit seinem Wort: „Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.“

Etwas lapidar gesagt: „Macht Klarschiff mit Gott. Seid ehrlich vor ihm. Seid wahrhaftig.“ Und: „Schiebt es nicht auf!“ Denn: „Siehe, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; siehe, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.“

Im Evangelium (Mt 6,1-6.16-18) werden uns dann drei Haltungen, drei Praktiken vor Augen geführt, die auch uns begleiten können in der Fastenzeit: Almosen – Gebet – Fasten.

Und bei allen dreien wird in den Worten Jesu deutlich, dass es nicht darum geht, sich selbst zur Schau zu stellen, zu zeigen, wie toll man doch seinen Glauben praktiziert. Es geht auch hier um die Beziehung zum Vater, der „auch das Verborgene sieht“. Es geht um unser Herz zu Herz mit Gott, dessen Kinder wir sind.

Gleichzeitig haben diese religiösen Praktiken Auswirkungen auf andere. Unsere Almosen, unser Geld, das wir geben, kann anderen Menschen Hilfe sein. Das Teilen auch von Finanzen oder materiellen Gütern ist uns aufgetragen und ein Kennzeichen auch der christlichen Gemeinde.

Wenn ich wirklich im Gebet Stärkung erfahre, in der Kindschaft Gottes wachse, mich geliebt weiß, vom himmlischen Vater, wird auch das meine Haltung zum Mitmenschen verändern. Denn ich weiß, dass es ein Geschenk ist, von Gott geliebt zu sein, und kein Verdienst. Und wir beten „Vater UNSER“ nicht nur „Vater MEIN“.

Auch das Fasten ist ein starker Ausdruck des Glaubens. Ich gebe in gewisser Weise das Satt sein auf, merke vielleicht ein wenig meinen Hunger, meine Sehnsucht. Fasten hat allein schon gesundheitlich eine reinigende Wirkung auf den Körper. Und zusammen mit dem Gebet ist es eine Kraftquelle, wie Jesus es uns zeigt und sagt.

Alles in allem wollen wir mit der Fastenzeit auf Ostern zugehen und Gott neu in den Blick nehmen. Lassen wir uns von IHM lieben. Lassen wir uns von seiner Liebe prägen. Amen.

Pfr.  Josef Fleddermann

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