CE-Referent Christof Hemberger, Ravernsburg, nahm an einem internationale CE-Konferenz in Südkorea teil, die unter dem Motto „Love in action“ (Liebe, in die Tat umgesetzt) stand. Begeistert erzählt er von dem, was er dort erlebt hat. In der letzten Ausgabe des CE-Infodienstes berichteten wir über Pater John Oh, der in Kkottongnae (Südkorea) eine Arbeit mit Obdachlosen aufgebaut hat. Auf der ganzen Welt hätte es keinen geeigneteren Ort für die internationale CE-Konferenz geben können, die ICCRS (International Catholic Charismatic Renewal Service) im Juni 2009 abgehalten hat.
Noch etwas müde vom langen Flug begann für mich das große Staunen, als ich in das Dorf Kkottongnae hineinfuhr: Schön verteilt auf Hügel und Täler stehen ein Haus für Obdachlose, ein Waisenkinderhaus, ein Altenheim, ein Haus für Alkoholiker, ein Behindertenheim, eine Schule für Kinder mit Behinderung, drei Krankenhäuser, ein Schwesternkonvent, ein Brüderkonvent, eine Kirche, eine Versammlungshalle, ein Exerzitienhaus, Unterkünfte für freiwillige Helfer, unzählige Wirtschaftsgebäude …
Dass diese Gemeinschaft VIEL im Bereich Fürsorge und Dienst am Nächsten tut, wusste ich aus früheren Berichten, dass sie SO VIEL tut, versetzte mich in Staunen! Insgesamt werden dort über 5.000 Menschen betreut, die auf irgendeine Weise ausgestoßen und verlassen wurden – und um die sich Pater John Oh mit seinen Helfern und Helferinnen kümmert – tagein, tagaus.
Die Konferenz fand also mitten in diesem „Dorf“ statt, das in den letzten 30 Jahren zu Koreas größter Wohlfahrtseinrichtung geworden ist. Insgesamt waren 3.000 Menschen aus aller Welt angereist. Natürlich gab es Lobpreis- und Gebetszeiten, Vorträge, Gottesdienste und Workshops. Daneben aber wurden die Teilnehmer/innen immer wieder zu „Freiwilligendiensten“ eingeteilt: Essen austeilen, Füttern, Putzen, Gärtnerarbeit, Spielen mit den Kindern … Es wurde nicht nur über die Liebe Gottes gesprochen, die es gilt weiterzugeben, sondern gleich die Möglichkeit geschaffen, dies konkret in die Tat umzusetzen. Und es gab viele hungrige Münder, strahlende Augen und dankbare Patienten in den Heimen. Die mangelnden Sprachkenntnisse waren tatsächlich KEIN Hindernis: Liebe lässt sich eben in allen Sprachen gleich leben - auch ohne Worte.
Die Teilnehmer/innen kamen aus allen Teilen der Welt, aus allen Kontinenten. Aus Deutschland waren wir zu zweit: Erna Schmid aus München, die 35 (!) Jahre als Missionarin in Korea gelebt und gearbeitet hat, und ich. Referenten und Themen waren u.a.: Robert Faricy (Heiliger Geist), Bischof Joe Grech (Heilung), Pfr. John Montoya (Gottes Liebe feiern), Jim Murphy (Evangelisation), Michelle Moran (Love in action / Mission). Nachmittags wurden vier Seminarschienen angeboten, die von unterschiedlichen Referenten gehalten wurden: „Charismen“, „Heilung“, „Fürbitte“ und „Jugendarbeit“. In letzterem war ich beteiligt.
Neben den Freiwilligendiensten und den lebendigen Lobpreis- und Gebetszeiten haben mich vor allem zwei Dinge angesprochen:
Zum einen der Blick in die internationale Kirche. Wie gut tut es uns Europäern, über den Tellerrand hinaus zu schauen und Kirche im Aufbruch zu erleben!
Die vielen jungen Teilnehmer/innen aus Korea, das farbenfrohe Afrika, das enthusiastische Südamerika, die Herzlichkeit der Asiaten machten mich westlich geprägten Katholiken manchmal ganz schon nachdenklich - und dann immer wieder froh! Es tut gut zu erleben, dass wir Teil einer Kirche sind, die sich über die ganze Welt erstreckt, und dass es an anderen Orten vieles gibt, was so anders ist und Mut macht!
Das zweite, das mich sehr gefreut hat, war die hohe Anzahl der anwesenden Kirchenvertreter. Viele Priester, Bischöfe und ein Kardinal waren da. Sie mischten sich unkompliziert unter das Volk, waren ansprechbar, standen in den Schlangen wie die anderen auch und freuten sich auf die Lobpreiszeiten, das Sprachengebet und die Segnungsabende. Ich hatte die Gelegenheit mit Bischöfen aus Kuwait, Singapur, Indonesien, Australien, Indien und Korea zu reden und mit ihnen zu beten, zu lachen und auszutauschen. Sehr ermutigende Begegnungen!!!
Zum Abschluss unserer Internationalen Konferenz war die ganze Charismatische Erneuerung Südkoreas nach Kkottognae eingeladen. Dort fand in einer Art Amphitheater ein CE-Treffen ungeahnten Ausmaßes statt: Es kamen 60.000 Teilnehmer! Wir feierten unter freiem Himmel Gottesdienst, es gab Lobpreis, Vorträge und eine Gebetszeit. Ich war überwältigt von solchen Massen und dankbar im Herzen über die Größe Gottes!
In den folgenden zwei Tagen wurden wir verbliebenen Ausländer quer durchs Land gefahren zu historisch bedeutsamen Stätten in Korea, um dort Pilgerstätten zu besuchen, Menschen zu treffen (z.B. bei einem CE Diözesantag mit 6.000 Teilnehmer/innen!) und um zu beten. Wir feierten einen für mich sehr bewegenden Gottesdienst an der Grenze zu Nordkorea. Ich habe seit 20 Jahren keine Stacheldrahtgrenze mehr gesehen, die es bei uns ja Gott sei Dank nicht mehr gibt.
Unmittelbar nach der Konferenz und den Pilgerfahrten stand dann für den ICCRS-Rat (Vorstand der CE auf Weltebene) noch eine Sitzungswoche an. Für mich war dies die erste Sitzung als Ratsmitglied – wieder ein Feld voller neuer Eindrücke!
Täglich hörten wir Berichte aus den verschiedenen Kontinenten: Was tut Gott zur Zeit in welchem Land? Wo gibt es Schwierigkeiten? Welche Zeugnisse gibt es zu berichten?
Wir beschäftigten uns mit den anstehenden Projekten (internationale Schulungen und Großveranstaltungen), Fragen an ICCRS aus dem Vatikan und anderen Bewegungen und Initiativen sowie der personellen und finanziellen Situation. Die tiefe Hingabe der Leiter/innen der weltweiten CE hat mich sehr beeindruckt. Selbstverständlich wurde trotz zahlreicher Themen viel Zeit für die Eucharistie, für Anbetung, Lobpreis und Fürbitte eingeplant. Immer wieder wurden die Anliegen im Gebet vor Gott getragen, bevor Entscheidungen getroffen wurden.
Beim Gebet für Europa hat mich besonders ein prophetischer Eindruck angesprochen: „Europa, geh auf die Knie!“ Gott sehnt sich nach Menschen mit demütigen Herzen. Es kommt nicht darauf an, was wir alles können – und schon gar nicht darauf, was wir uns alles leisten können. Es ist Gott allein, der uns stark macht. Zuvor müssen wir jedoch in der Lage sein, unsere Schwachheit zu erkennen und anzuerkennen.
Ich bin Gott sehr dankbar für die Möglichkeit, Einblick in die weltweiten Entwicklungen der CE haben zu dürfen, namhafte Leiter/innen kennenzulernen und von ihnen zu lernen - und durch das, was ich einbringen kann, die Entwicklung der CE ein wenig mit zu gestalten! Für mich persönlich ein großes Feld an Erfahrungen, die mich sicherlich prägen und meinen Dienst in der CE Deutschland bereichern werden.