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"Ich habe die Liebe lieben gelernt." (Karol Wojtyla)
Als Karol Wojtyla nach seinem Studium in Rom Studentenseelsorger in Lublin wurde, hatte er in seiner seelsorgerlichen Tätigkeit viel mit jungen Paaren und Familien zu tun. So lernte er durch „indirekte Erfahrung“, d.h. durch das Gespräch mit den Betroffenen, durch ihre seelsorgerliche Begleitung und Beratung, die Lebenssituation jener Menschen kennen, die sich entweder auf die Ehe vorbereiteten oder schon in ehelicher Gemeinschaft lebten.
„Ich habe die Liebe lieben gelernt.“ – Mit diesen Worten fasste er seine Erfahrungen als Priester in dieser Zeit zusammen.
Als Professor für Ethik an die Katholische Universität Lublin gerufen, hielt er in den Jahren 1957-1959 spezielle Vorlesungen, die auch um das Thema „Liebe und Verantwortung“ kreisten, woraus dann 1960 die erste polnische Ausgabe des gleichnamigen Buches „Liebe und Verantwortung“ entstand.
Vor knapp mehr als einem Jahr hat sich in der Pfarrei Allerheiligen der Arbeitskreis „Liebe und Verantwortung“ – hervorgegangen aus einem Studientag über die „Theologie des Leibes“ mit Birgit und Corbin Gams - gegründet, der sich der kontinuierlichen Lektüre des Buches „Liebe und Verantwortung“ von Karol Wojtyla widmet.
Auf Einladung dieses Arbeitskreises referierte nun Prof. Dr. Josef Spindelböck, seit 2008 Professor für Moraltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten und Gastprofessor am Internationalen Theologischen Institut (ITI) in Gaming, am vergangenen Donnerstag über dieses Thema „Liebe und Verantwortung- Ehe und Familie bei Karol Wojtyla“ in der Pfarrei Allerheiligen.
Im Grunde geht es Karol Wojtyla in seinem Werk „Liebe und Verantwortung“ um nichts anderes als um das Aufzeigen, dass das Gebot Gottes „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ zutiefst der menschlichen Erfahrung entspricht. Sicher verdient nicht alles, was man landläufig als Liebe bezeichnet, diesen Namen. Jeder Mensch muss sich selbst und auch seinen Nächsten als Person achten. Dies schließt jede Instrumentalisierung aus. Der Mensch darf nie „gebraucht werden“ werden, nie zu einem bloßen Mittel, zu einem Objekt, zu einem Gegenstand werden. Liebe heißt letztlich, den anderen um seiner selbst willen anzunehmen. Karol Wojtyla insistiert auf eine personalistische Sicht der Liebe, auf die unbedingte Achtung der Würde jeder Person, auf „die Einführung der Liebe in die Liebe“. Liebe ist nie bloßes Gefühl, darf nie zur puren Lust verkommen.
Eine große Stärke seines Ansatzes ist eine wirkliche ganzheitliche Betrachtung der Liebe. Alle Aspekte, der biologische, der psychologische, der metaphysische, der ethische und der theologische, sind in diese personale Sicht der Liebe integriert.
Und der Mensch ist zur Liebe berufen. Der Mensch kann nicht ohne Liebe leben. Er bleibt für sich selbst immer ein unbegreifliches Wesen, sein Leben ist ohne Sinn, wenn ihm nicht die Liebe offenbart wird, wenn er nicht der Liebe begegnet, wenn er sie nicht erfährt und sich zu eigen macht, wenn er nicht lebendigen Anteil an ihr erhält.
Homo capax amoris! Der Mensch ist der Liebe fähig, der Mensch ist das einzige Wesen, das von Gott um seiner selbst willen, um der Liebe willen geschaffen wurde. Wie groß ist das, was Gott in den Menschen hineingelegt hat!
Die Lektüre des Buches„Liebe und Verantwortung“führt, auch wenn manche Gedankengänge zunächst schwierig erscheinen, letztlich zu einer tiefen Entdeckung der Schönheit der Liebe – gegen alle mediale Verzerrung der Gedanken von Karol Wojtyla.
P. Raniero Cantalamessa dachte beim VI. Weltfamilientreffen in die gleiche Richtung, als er zu den anwesenden Familien sagte, es dürfe nicht nur um eine Verteidigung der christlichen Vorstellung von Ehe und Familie gehen. Viel wichtiger sei es, die Schönheit der Liebe, auch der Liebe von Mann und Frau in Ehe und Familie, neu zu entdecken und diese Schönheit in ihrer ganzen Tiefe und Fülle zu bezeugen.
Wer dies tun will, findet in dem Buch von Karol Wojtyla, das im Verlag St. Josef von Prof. Dr. Josef Spindelböck neu herausgegeben wurde, einen großen Schatz an Reflexionen, der einen Weg zu dieser Schönheit weist.